Lexikon
A Capella,
mehrstimmiger Chorgesang ohne Instrumentalbegleitung. Das Wort stammt von
cappella, dem Raum in der Kirche, ab, der ursprünglich der Verehrung
der Heiligen galt und in dem die Sänger aufgestellt waren. Vom Raum
wurde das Wort auf die Singenden übertragen. Z.B. Cappella Sistina
(Sixtinische Kapelle).
Abonnement,
Der Abonnent kauft die Eintrittskarten für eine vorgegebene Veranstaltungsserie,
wie z.B. Abonnementkonzerte, Premièrenabonnement, Dienstagabonnement
etc. in ihrer Gesamtheit und nicht für Einzelveranstaltungen.
Akademie,
ein Hain in Athen, in welchem Plato seine Schüler unterrichtete. In
der Renaissance gab sich eine Gesellschaft von
Gelehrten und Kunstfreunden, die sich 1470 am Hof der Medici zusammenfand,
den Namen Platonische Akademie. Der Name A. für solche Gesellschaften
hat sich bis heute erhalten, z.B. Akademie der Wissenschaften. Beethoven
veranstaltete in Wien Konzerte, welche man damals Akademien nannte, und
in welchen u.a. seine Symphonien uraufgeführt wurden. Bis zum Jahre
1973 hießen die heutigen Kunsthochschulen in Österreich (Hochschulen
für Musik und darstellende Kunst, für bildende
Kunst, für angewandte Kunst) Akademien.
Aktionskunst,
Sammelbegriff für eine im Dadaismus vorbereitete Ausdrucksform der
Gegenwartskunst mit stark aktionistischem Charakter wie z.B. Happening,
Performance, Fluxus, Aktionismus u.ä.
Akustik,
die
Lehre vom Schall. Die Musikalische Akustik untersucht die physikalischen
Grundlagen der Musik, der Musikinstrumente, der Räume usw.
Aleatorik,
siehe Musik des 20. Jahrhunderts
Allegorie,
von griechisch allegoria = das Andersgesagte. Bildhafte Darstellung
abstrakter Begriffe. In der Dichtung und der bildenden Kunst werden abstrakte
Begriffe wie z.B. die Jugend, das Alter, die Guten Werke, der Mammon, die
vier Jahreszeiten, die Tugend usw., auch durch menschliche
Gestalten (Personifikationen) dargestellt.
Amphitheater,
für Tierhetzen und Spiele bestimmtes Theater der Römer mit elliptischer
Arena und ringsumlaufenden Sitzbänken. Im modernen Theater bezeichnet
man die ansteigenden Sitzreihen in Balkon und Galerie als A.
Angewandte
Kunst, auch: Design, Gebrauchskunst, Kunstgewerbe, Kunsthandwerk,
Produktgestaltung, Industrial Design. Kunst, die auf einen Gebrauchsgegenstand
angewandt wird. Hochschulen für angewandte Kunst in Wien und für
künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz.
Apotheose,
1.
Verherrlichung, Verklärung, Vergöttlichung eines Menschen, besonders
von Herrschern der röm. Antike und des Absolutismus; Herkunft
aus dem orientalischen Herrscherkult.
2. Prächtiges Schlußbild
eines Bühnenstückes.
3. Bildliche Darstellung
der Vergöttlichung eines Menschen in der bildenden Kunst.
Applaus,
Beifallskundgebung für die Leistung eines Künstlers durch
Klatschen mit den Händen, Stampfen mit den Füßen, Bravorufe
usw. Sonderformen des A.: Standing ovations (das Publikum spendet den A.
stehend), Auftrittsa., Szenena. Im übertragenen Sinn spricht man von
einem "Vorhang", wenn die Künstler den A. vor dem Vorhang in Form
eines "Solo- oder Ensemblevorhanges" entgegennehmen. Mißfallen äußert
das Publikum durch Buhrufe, Auspfeifen usw. Bei einzelnen Veranstaltungen
bzw. Werken ist der A. unerwünscht. Z.B. Aufführung sakraler
Werke während eines Gottesdienstes; "Vorhangverbot" am Wiener
Burgtheater; A.verbot während des Bühnenweihefestspiels "Parsifal"
von Richard Wagner.
Apsis,
von griechisch apsis = Bogen, Krümmung. Halbrunder oder
polygonaler (vieleckiger) Raumabschluß, besonders der Choranlage
einer Kirche, mit einer Halbkuppel überwölbt, meist ostwärts
orientiert, Bezugspunkt des gesamten Baues.
Arabeske,
arab.-ital.-franz., in der bildenden Kunst ein stilisiertes Pflanzenornament.
Die A. ist aus hellenistischen Ursprüngen entwickelt worden, hat sich
zunächst im islamischen Kulturkreis verbreitet und wurde schließlich
in der Renaissance eine beliebte und verbreitete
Dekorationsform. In der Musik ein Charakterstück, z.B. Claude Debussy,
Zwei Arabesken.
Architektur,
siehe Bildende Kunst
Arie,
Ariette, siehe Vokalmusik
Ars
antiqua, Alte Kunst. Mit diesem Begriff verbindet man die erste
Blüte der Mehrstimmigkeit im 12. und 13.Jh.. Sie blühte in Nordfrankreich
und in der Kathdedrale Notre Dame in Paris.
Ars
nova, Neue Kunst, benannt nach einer Schrift von Philippe de
Vitry, entstanden wahrscheinlich um 1300 in Paris. Die A.n. reicht bis
zum Auftreten der ersten Meister der niederländischen Polyphonie,
etwa bis 1430.
Art
Brût, franz. rohe Kunst. Von Jean Dubuffet in Anlehnung
an die bildnerischen Darstellungen von Kindern, Geisteskranken und sog.
Primitiven im bewußten Gegensatz zur bürgerlich-akademischen
Kunst entwickelte Seh- bzw. bildnerische Darstellungsweise, die möglichst
ursprünglich-kreativ, unkompliziert und ungekünstelt sein will.
Art
Deco, Modestil, der sich für die angewandte
Kunst zwischen den zwei Weltkriegen durchgesetzt hat. Der Name Art
Deco ist eine Abkürzung für die erste internationale Ausstellung
von Objekten des neuen Kunstgewerbes "Exposition des Arts Décoratifs
et Industriels Modernes" in Paris 1925. Voraussetzung zur Art deco war
die Art Nouveau bzw. der Jugendstil.
Artes
liberales, lat. freie Künste. In der Antike der Inhalt
der eines Freien würdig erachteten allgemeinen Bildung. Im Mittelalter
auf sieben Fächer festgelegt, die sich auf das sprachlich-formale
Trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik) und das mathematische Quadrivium
(Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie) verteilten.
Artikulation,
bedeutet Aussprache und meint zunächst die Bildung der Vokale und
Konsonaten durch die menschliche Stimme. In der Musiklehre bedeutet A.
die Trennung oder Verbindung von (Melodie) Tönen.
Art
Nouveau, franz. neue Kunst. In Frankreich gebräuchliche
Bezeichnung für den Jugendstil.
Auktion,
öffentliche Versteigerung von Sachen durch einen Auktionator an den
Meistbietenden. Berühmte Auktionshäuser, die sich auch mit der
Versteigerung von Kunstwerken beschäftigen, sind: Sotheby Parke Bernet
Group, Christies (London, New York), Wiener Dorotheum.
Autodidakt,
Person, die sich ihre (Spezial-) Kenntnisse ganz oder weitgehend außerhalb
des üblichen Bildungsganges durch "Selbstunterricht" erworben
hat.
Autograph,
griech. selbst geschrieben, das vom Schöpfer (Komponisten) selbst
geschriebene Werk (im Original). Vgl. Manuskript.
Autorenschutz,
siehe Urheberrecht
Ästhetik,
von griech. aisthesis = Sinneswahrnehmung, "Lehre vom Schönen". Die
allgemeine Ä. untersucht die ästhetische Aktivität als ein
generelles schöpferisches Vermögen des Menschen, das in der Beziehung
zu jedem Phänomen wirksam wird. Die spezielle Ä. studiert die
Entwicklungsgesetze der Kunst, ihren ideellen Gehalt und ihre formalen
Qualitäten sowie ihre Rolle in der Gesellschaft (Kunsttheorie).
Die besonderen Formen ästhetischer Aktivität werden in
zeichenhafter Gestalt bei der Entwicklung des gesellschaftlichen Lebensprozesses
wirksam: Musik, Tanz, Dichtung, Theater, bildende
Kunst Film usw. Vgl. die Musikästhetik als Teilbereich der systematischen
Musikwissenschaft.
Ballett,
von ital. ballo = Tanz. Chorische Tanzschöpfung, die ohne Wort und
Gesang eine selbständige Kunstgattung darstellt. Siehe auch Choreographie.
Barock,
von portugiesisch barocco = schief, unregelmäßig; ursprünglich
Begriff im Juwelierhandwerk, Bezeichnung für eine unregelmäßige
Perle bzw. Perlenoberfläche, dann für "regelwidrig, schwülstig,
sonderbar" im abwertenden Sinn im Zusammenhang mit Werken der auf die Renaissance
folgenden Baukunst gebraucht. Europäischer Kunststil zwischen
1600 und 1760, der in die spanischen und portugiesischen Kolonien, somit
auch nach Amerika ausstrahlt. Die Wurzeln des B.stils liegen in Italien.
Er bildete sich dort in der zweiten Hälfte des 16.Jh.s in organischer
Weiterentwicklung von Formen der Hochrenaissance aus, griff Anfang des
17.Jh.s nach Frankreich über und kam in Deutschland und Österreich
nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges bzw. der endgültigen
Abwehr der Türken zur Blüte. Die Endphase des B.s nannte man
Rokoko.
Bedeutende Vertreter in
der B.literatur: In Spanien Lope de Vega, Calderon de la Barca; in Italien
Torquato Tasso; in Frankreich Michel de Montaigne, Jean Racine, Jean-Baptiste
Molière; in Deutschland Christoffel von Grimmelshausen.
In der Musik bildet die
Zeit von etwa 1600 bis 1750 eine zusammenhängende Stilepoche, das
Barock, das Generalbaßzeitalter oder das Zeitalter des konzertierenden
Stils. Die Musik des Barock galt entsprechend als harmonisch verworren,
dissonanzenreich, melodisch schwierig, unnatürlich, holprig. Eine
Aufwertung des Barock brachte erst das 19.Jh.. Der Stilwandel um 1600 wird
in der Zeit stark empfunden, wobei man die alte Polyphonie weiterpflegt
und so erstmals zwei Stile hat (stile antico und stile moderno). Auch beginnt
um 1600 die barocke Hauptgattung, die Oper. Die neuen Tendenzen des Einfachen,
Empfindsamen, Natürlichen kommen um 1730 bereits zum Höhepunkt
der Klassik. Der Mensch erlebt sich im Barock nicht
mehr nur als Ebenbild Gottes, als Maß und Scheinheitsideal wie in
der Renaissance, sondern als Fühlender in seinen Leidenschaften (Affekt,
Pathos) und Phantasien. Das Barock betreibt Aufwand und Glanz, liebt Fülle
und Extreme und erweitert die Grenzen der Realität durch einen phantastischen
Illusionismus. Das Weltbild des Barock ist harmonisch und rational geordnet.
Das spiegelt sich auch in der Musik: in der spekulativen Zahlensymbolik,
in Harmonie und Rhythmus, im umfassenden Gottesbezug. Das neue Weltbild:
Kopernikus, Galilei, Kepler beweisen, daß die Erde nicht mehr im
Mittelpunkt des Alls steht. Descartes, Pascal, Spinoza. Die Mathematik
dominiert, denn die Zahlenordnung bestimmt das Weltganze wie alle Erscheinungen.
Die Sphärenharmonie ist Musik, und alle Musik symbolisiert zugleich
die All-Ordnung. Der Künstler ahmt die Natur nicht mehr nach wie in
der Renaissance, sondern er schafft wie diese als schöpferischer Genius,
mit Gefühl und Ratio. Bedeutende Vertreter der B.musik: In Italien
Girolamo Frescobaldi, Arcangelo Corelli, Antonio Vivaldi; in Frankreich
Jean-Baptiste Lully; in Deutschland Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich
Händel, Georg Philipp Telemann; in England Henry Purcell.
Basilika,
von griech. basileus = König, die Königshalle. Ursprünglich
Sitz des Archont Basileus (Leiter der Athener Stadtverwaltung). Von den
Römern als Gerichts- und Markthalle übernommen. Typisch für
die B. ist das erhöhte Mittelschiff, das von zwei oder vier Seitenschiffen
begleitet wird. Als das Christentum durch das Edikt von Mailand 313 den
anderen Religionen des römischen Reiches gleichgestellt wurde, suchte
es nach einem geeigneten Kultraum und fand ihn in der B.
Belcanto,
ital. schöner Gesang, bezeichnet die ital. Art des Singens. Der B.
legt nicht so sehr Gewicht auf die charakteristische Gestaltung der Töne
nach dem Wortinhalt, sondern auf absolute Schönheit, Rundung und Fülle
des Melodieflusses. Der B. hat insbesondere in den Kantilenen der ital.
Komponisten Vincenzo Bellini, Gaetano Donizetti, Gioacchino Rossini, Giuseppe
Verdi und Giacomo Puccini Ausdruck gefunden.
Benefizveranstaltung,
für einen Auftritt im Rahmen einer B. erhalten die Künstler kein
Honorar, sondern spenden dies für einen bestimmten Zweck. Z.B. für
den Wiederaufbau eines Opernhauses, für die Krebshilfe u.a.
Biedermeier,
abgeleitet von "Gottlieb Biedermeier", seit 1855 Deckname der Verfasser
"biedermännischer" Gedichte in den "Fliegenden Blättern" 1844
- 1944, einer Zeitschrift, die eine kritische Haltung gegen die Zustände
ihrer Zeit einnahm. Bezeichnung für die gediegen - bürgerliche
Kultur und Kunst des sog. "Vormärz", die Zeit von 1815 - 1848 in Deutschland
und Österreich. Das wirtschaftlich aufstrebende (Klein-)Bürgertum
wurde von der politischen Mitbestimmung ferngehalten und konzentrierte
sich demzufolge auf die enge, vertraute Umwelt, speziell auf deren angenehme
Seiten, wobei soziale Mißstände geflissentlich übersehen
wurden. Dieser Rückzug in den privaten Bereich vollzog sich in einer
Gesamtstimmung von "Weltschmerz", der sich in der für diese Zeit sprichwörtlich
gewordenen "Tränenseligkeit" äußerte.
Bild,
1.Physikalisch: Wiedergabe eines Objekts durch ein optisches System.
2. Im Theater dramturgische
Bezeichnung für einen Abschnitt innerhalb eines Aktes.
3. In der bildenden Kunst
bezeichnet B. meist das Werk eines Malers und Grafikers, seltener das des
Bildhauers.
Bildende
Kunst, traditioneller Sammelbegriff für Malerei,
Grafik und Bildhauerei bzw. Plastik. Im strengen Sinn nur auf diese
angewandt, weil sie Bilder bzw. Bildwerke erzeugen. Der Sprachgebrauch
rechnet aber meist auch Architektur und Kunstgewerbe dazu. An der
Akademie (Hochschule) der bildenden Künste in Wien gibt es sog. Meisterschulen
für Malerei, Grafik, Bildhauerei, Architektur, Naturstudien, Bühnengestaltung,
Medailleurkunst und Kleinplastik, Restaurierung und Konservierung sowie
für Tapisserie.
Bildhauerei,
siehe Bildende Kunst.
Bruitismus,
von franz. le bruit = Lärm, die Freude am Lärm. Die italienischen
Futuristen vor dem 1.Weltkrieg unter der Führung von F.T.Marinetti
förderten solche Musik. Der B. bildete eine Gegenbewegung gegen die
ätherische Musik des Impressionismus.
Büste,
von ital. busto = plastisches Brustbild eines berühmten Menschen.
In der röm. Antike vor allem für Toten- und Herrscherporträts
verwendet; im christlichen Mittelalter als Reliquienbüste oder Schmuck
an Chorgestühlen oder Gebäuden. Neuerliche Blüte im Klassizismus
und Historismus.
Cassation,
siehe Instrumentalmusik
Chor,
von griech. choros = Tanz, Reigen; im antiken Drama Gruppe der gemeinsam
sprechenden und singenden Mitspieler, welche das Geschehen kommentieren.
1. In der Musik die Gemeinschaft
von Sängern im gemeinsamen (chorischen) Vortrag einer Komposition.
Siehe auch Vokalmusik.
2. In der Baukunst der ursprünglich
für die Sänger (den Chor) bestimmte Ort in der Kirche. In der
Basilika erweiterter Altarraum, der an das Querschiff anschließt.
Am Ostende des Chores liegt die Apsis.
Choreographie,
von griech. choros = Tanz, Reigen, eigentlich Tanzschrift. Heute wird unter
Choreographie nicht mehr die schriftliche Niederlegung von Tanzbewegungen
verstanden, sondern die Erfindung der Tanzbewegungen, der Tanzhandlung.
Die Funktion des Choreographen entspricht für den Tanz etwa der des
Regisseurs für das Schauspiel und das Musiktheater.
Cinquecento,
ital. = 500 (Abk. für 1500), Bezeichnung für die Kunst des 16.Jh.s
in Italien (Hochrenaissance, Manierismus, beginnendes Barock).
Collage,
von griech. kolla = Leim, Klebestoff.
1. In der Literatur seit
Ende der sechziger Jahre unseres Jahrhunderts Bezeichnung der Technik der
zitierenden Kombination von oft verschiedenartigem vorgefertigtem sprachlichen
Material.
2. In der Musik eine Komposition,
die aus einer Verschränkung vorgegebener musikalischer Materialien
besteht (im Unterschied zum musikalischen Zitat, das innerhalb einer Komposition
auftritt)
3. In der bildenden Kunst
Bild aus verschiedenen auf den Bildgrund aufgeklebten (flächigen)
Materialien, wie z.B. Papiere, Stoff, Sand, Späne u.ä.
Concerto
grosso, siehe Instrumentalmusik
Copyright,
siehe Urheberrecht
Cover,
Titelblatt, -seite einer Illustrierten, auch Schallplattenumschlag. Umhüllt
den Inhalt.
Dadaismus,
von franz. dada = Steckenpferdchen (Stammellaut der Kindersprache). Internationale
radikalästhetische Bewegung in der bildenden Kunst und der Literatur
nach dem 1.Weltkrieg. Sie war ein Protest gegen die in ihrem Gefüge
wankende Welt. Ihr Un-Sinn sollte mit Unsinn bekämpft werden. Sie
hat auch für die Musik einige Bedeutung erlangt. Vgl. auch Musique
concréte.
Début,
aus franz. début entlehnt, "erstes Auftreten", erster öffentlicher
Auftritt, erstes öffentliches Konzert, erste öffentlich gesungene
Opernpartie eines Künstlers. Dazu: Debutant, debutieren.
Dekoration,
von lat. decorare = schmücken, zieren. Allgemein die Gesamtheit aller
zur Ausschmückung dienenden hinzugefügten Gegenstände und
Ornamente für einen Einzelgegenstand, Raum (Innenraum, Schaufenster,
Bühnenraum) oder ein Bauwerk (z.B. Fassade).
Denkmal,
1. Im weiteren Sinn jedes bewegliche und unbewegliche Werk, dem kunst-
oder kulturgeschichtliche Bedeutung beigemessen wird.
2. Im engeren Sinne plastisches
oder architektonisches (Kunst-)Werk, als Gedächtniszeichen (Monument)
für eine Persönlichkeit , ein Ereignis oder als Hoheits- bzw.
Rechtssymbol.
Deus
ex machina, lat. Gott aus der Maschine, in verschiedenen griechischen
Tragödien wurde ein auswegloser Konflikt durch den Machtspruch eines
mit Hilfe diverser Bühnenmaschinen meist von oben erscheinenden Gottes
gelöst. Siehe auch: Drehbühne, Gasse,
Guckkastenbühne,
Kulisse,
Prospekt,
Versenkung,
Vorhang.
Dilettant,
von ital. diletto = Vergnügen. Liebhaber einer Betätigung besonders
in der Kunst, nicht berufsmäßig, begeistert, doch oft auch ohne
Begabung und gründliche (nicht abgeschlossene) Ausbildung.
Diva,
ital. "die Göttliche", gefeierte Schauspielerin oder Sängerin.
Divertimento,
siehe Instrumentalmusik
Dodekaphonie,
siehe Musik des 20. Jahrhunderts
Dom,
von lat. domus = Bau, Haus. Bezeichnung für die Bischofskirche.
Doyen
(weibl. Doyenne), von lat. decanus, franz. Ältester.
1. Im Völkerrecht der
Sprecher des Diplomatischen Korps, der am längsten am Ort akkredidierte
Botschafter, sog. örtliche Anciennität (=Dienstalter).
2. In der Kunst im übertragen
Sinn der (dienst)älteste Schauspieler, Sänger im Ensemble eines
Theaters. Beispiel: "Paula Wessely, die Doyenne des Burgtheaters."
Dramaturg,künstlerisch-wissenschaftlicher
Mitarbeiter der Intendanz und der Regie, ist mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung
verantwortlich für den Spielplan, die Zusammenarbeit mit Autoren,
Öffentlichkeitsarbeit und - gemeinsam mit dem Regisseur (Siehe Regisseur)
- für die Entwicklung eines Regiekonzepts.
Dramaturgie,
1.
äußerer Bau und innere Struktur eines Dramas.
2.
Bezeichnung für die dramaturgische Abteilung am Theater.
Drehbühne,
drehbare Kreisfläche im Bühnenboden oder aufgelegte Scheibe,
die die Möglichkeit zu sehr schnellen Bühnenverwandlungen bietet.
Siehe auch: Deus ex machina, Gasse,
Guckkastenbühne,
Kulisse,
Prospekt,
Versenkung,
Vorhang.
Dynamik,
Lehre von der Tonstärke (Lautstärke) und deren (dynamischen)
Bezeichnungen.
Elektronische
Musik, siehe Musik des
20. Jahrhunderts
Engagierte
Musik, siehe Musik des
20. Jahrhunderts
Ensemble,
Vereinigung von mehreren Instrumentalisten, Sängern, Tänzern
zum Zwecke gemeinsamer künstlerischer Betätigung.
Epitaph,
das, griech., Grabmal, Grabinschrift, an der Innen- oder Außenwand
der Kirche, oft auch an einem Pfeiler angebracht, aufgekommen um die Mitte
des 14. Jh.s als aufrecht stehender Grabstein mit der figürlichen
Darstellung des Toten. Siehe auch: Grabmal, Sarkophag,
Sepulcrum,
Totenmaske.
Erstaufführung,
die nach der Uraufführung erste Aufführung in einem bestimmten
Land, einer bestimmten Stadt.
Exlibris,
lat. "aus den Büchern", kunstvoll gestaltete einklebbare Bücherzeichen
mit dem Eigentumsvermerk des Besitzers.
Expertise,
Gutachten über das Alter , den Erhaltungszustand, die Urheberschaft
usw. eines Kunstwerkes durch einen Sachverständigen (Kunstexperten).
Expressionismus,
von lat. expressio = Ausdruck.
1. Allgemein zu allen Zeiten
mögliche Form von "Ausdruckskunst", in der durch Formbewegtheit und
betonte Farbigkeit gesteigerte geistig - seelische Erregung, Gefühle
und Stimmungen ohne Anspruch auf unmittelbare Wirklichkeitstreue zugunsten
einer "inneren Wahrheit" wiedergegeben werden, besonders in Zeiten großer
sozialer Umwälzungen (z.B. im ausgehenden Mittelalter).
2. Im engeren Sinn Kunstströmung
des frühen 20.Jahrhunderts besonders in Deutschland. Vorläufer
in der bildenden Kunst sind Vincent van Gogh, Paul Gaugiun und vor allem
Edvard Munch. Die meisten der zum E. zählenden bildenden Künstler
waren in Gruppen oder Gemeinschaften mit eigenen Programmen organisiert
(Brücke, Blauer Reiter).
In der Literatur (insbesondere
im Drama und in der Lyrik) dokumentiert sich der E. als Geisteshaltung
z.B. durch Gottfried Benn, Max Brod, Georg Trakl, Georg Heym, Franz Werfel,
Alfred Döblin und den frühen Bert Brecht.
In der Musik führte
der E. zur Auflösung der bisher geltenden harmonischen Gesetze in
die Atonalität.
"denn die Kunst ist der
Notschrei jener, die an sich das Schicksal der Menschheit erleben ...innen,
in ihnen ist die Bewegung der Welt; nach außen dringt nur der Widerhall:
das Kunstwerk" (Arnold Schönberg, 1910)
Als Höhepunkte des
E. gelten die Bühnenwerke von Arnold Schönberg "Erwartung" und
"Glückliche Hand", sowie "Wozzeck" von Alban Berg.
Faksimile,
genaue Nachbildung (Reproduktion) einer Vorlage, eines Autographs, eines
Manuskripts.
Fauvismus,
von franz. fauves = wilde Tiere. Lose Künstlergruppe rund um den franz.
Maler Henri Matisses, die 1905 erstmals an die Öffentlichkeit trat.
Aus dem entsetzten Ausruf eines Kunstkritikers, "wie wilde Tiere" zu malen,
leiteten sie ihren Kampfnamen ab.
Folklorismus,
siehe Musik des 20. Jahrhunderts
Foyer,
Wandel- und Aufenthaltsraum für das Publikum vor und nach der Aufführung
sowie während der Pause. Das F. wurde im 18. Jh. eingeführt,
als man das Theater als ein Forum bürgerlicher Öffentlichkeit
konzipierte.
Fuge,
kontrapunktische Form, siehe Instrumentalmusik.
Futurismus,
eine Anfang des 20.Jahrhunderts von Italien ausgehende "auf die Zukunft"
gerichtete revolutionäre Bewegung in der Literatur, der bildenden
Kunst und der Musik. Nach dem Vorbild des Italieners F.T. Marinetti veröffentlichte
Francesco Pratella 1912 das Manifest "Musica futuristica". Vgl. auch Bruitismus.
Galerie,
von ital. galleria.
1. Einbau in größeren
Sälen in Art der Empore (= in der kirchlichen Baukunst über den
Seitenschiffen des Erdgeschosses gelegenes, zum Kirchenraum geöffnetes
Obergeschoß).
2. Ein nach einer Seite
hin offener Laufgang an Häusern und Wehrbauten.
3. Im Bahn- und Straßenbau
Bezeichnung für Halbtunnel (z.B. Lawinengalerie).
4. Glasüberdachte Wandelhalle
mit Geschäften (z.B. in Brüssel, Neapel, Mailand).
5. Oberster Rang in Oper,
Theater, Konzertsaal, Parlament u.ä.
6. Langgestreckter Verbindungsgang
einer Zimmerflucht in Schlössern, meist geschmückt mit Bildern
oder Spiegeln, daher Aufbewahrungsort größerer Bildersammlungen.
Kleinere Objekte wurden in einem Kabinett aufgehoben (z.B. Kupferstichkabinett).
7. Orientteppich, meist
55-65 cm breit und 150-170 cm lang.
8. Im Bereich der bildenden
Kunst kommerziell geführte Einrichtung (Verkaufsgalerie), welche die
Mittlerrolle zwischen Produzenten (Künstler) und Konsumenten (Käufer,
Sammler) übernimmt.
Gasse,
Auftrittsmöglichkeit zwischen den Kulissen, auch Standort für
Scheinwerfer. Siehe auch: Deus ex machina,
Drehbühne,
Guckkastenbühne,
Kulisse,
Prospekt, Versenkung,
Vorhang.
Gebrauchsgutgestaltung,
siehe Angewandte Kunst
Genrebild,
von franz. genre = Gattung, Geschlecht, Art. "Sittenbild", ausschnitthafte
Schilderung typischer Zustände aus dem täglichen Leben einer
bestimmten gesellschaftlichen Schicht, oft mit belehrendem Charakter.
Gotik,
von dem italienischen Künstler und Künstlerbiographen der Renaissance
Giorgio Vasari abfällig als "stile gotico" benannt. Ein Stil, der
von den Goten, den "Barbaren aus dem finsteren Norden", geschaffen worden
war und der eigenen von der Antike geprägten Anschauung wesensfremd
war. Stilbezeichnung für die hoch- und spätmittelalterliche Epoche
der Kunst des Abendlandes, deren Anfänge bereits in der Mitte des
12. Jahrhunderts in Frankreich zu finden sind und die in vielen Teilen
Europas erst in der Mitte des 16. Jahrhunderts ausklingt. Vorwiegend in
der Bildenden Kunst angewandter Begriff. Zur Musik der Gotik gehört
die Ars antiqua. In der Ars Nova waren bereits
Elemente der Renaissance wirksam.
Grabmal,
einem Toten an seiner Beisetzungsstätte errichtetes Erinnerungszeichen.
Es hat von Anbeginn in allen Kulturen eine erhebliche Rolle gespielt. Den
wohl monumentalsten Ausdruck erhielt das Grabmal im alten Ägypten
(Grabtempel mit Pyramide). Architekturartige Grabmäler in Turmform
entwickelten sich in Kleinasien seit dem 6. Jh. v. Chr. und führten
zum riesigen Mausoleum der spätantiken Kultur und zu Grabkapellen
(Theoderich-Grabmal in Ravenna). Die klassisch griechischen Grabmäler
waren im allgemeinen bescheidener und begnügten sich mit einer Grabvase
(Lekythos), einer Figur oder einer mit einem Relief geschmückten,
aufrecht stehenden Steinplatte (Stele,vgl. Stele), die im neuzeitlichen
Grabstein weiterlebt. Die christlichen Grabmäler des Mittelalters
befanden sich innerhalb und außerhalb der Kirche und bestanden aus
einer steinernen oder bronzenen Grabplatte, die oft auf einem kastenartigen
Unterbau, der Tumba, ruhte und seit dem Ende des 11. Jh.s die Figur des
Toten zeigt. Später erhielt das Tumbengrab einen Baldachin oder wurde
von Klagefiguren umgeben. In der Renaissance- und Barockzeit tritt das
Wandgrabmal in den Vordergrund und erhält die vielfältigste,
denkmalartige Ausgestaltung, z.B. Michelangelos Medici-Gräber in S.Lorenzo
in Florenz (1520-1534). Siehe auch: Epitaph, Sarkophag,
Sepulcrum,
Totenmaske.
Grafik,
siehe Bildende Kunst
Gründerzeit,
siehe Historismus
Guckkastenbühne,
aus der Zeit der Residenztheater stammende, noch heute übliche Bühnenform,
wobei die Bühne durch einen Bühnenrahmen (Vorhang, Rampe) deutlich
vom Zuschauerraum abgegrenzt ist. Siehe auch: Deus
ex machina, Drehbühne, Gasse,
Kulisse,
Prospekt,
Versenkung,
Vorhang.
Hausmusik,
unterscheidet sich nur unwesentlich von der Kammermusik und bedeutet die
Musik im Bürgerhaus. Ihre Besetzung ist stets solistisch. Ab der Klassik
grenzt sie sich immer mehr von der von professionellen Künstlern gestalteten
Konzertmusik in Kirchen, Konzertsälen und Opernhäusern mit Solisten,
Chor und Orchester ab. Vgl. auch Dillettant, Kammermusik.
Historismus,
Stilepoche der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, gekennzeichnet durch
Wiederverwendung und unschöpferische Wiederholung sämtlicher
Stilformen der Vergangenheit. Die "Dekorationsarchitektur" ("Ringstraßenarchitektur")
der sog. Gründerzeit überhöhte die Bauten zu Monumenten.
Z.B. Parlamente im griechisch-antiken Stil, weil Griechenland als Heimat
der Demokratie galt; Kirchen, Rathäuser im Neo-Gotischen Stil, weil
das Mittelalter seine Blütezeit des städtischen Bürgertums
war; Theater und Universitäten im Neo-Renaissance-Stil,
weil man Bildungsstädten mit dem Humanismus identifizierte.
Hochkultur,
im Gegensatz zu "primitiver", "niederer" Kultur und zu traditionellen "Volks"-Kulturen
ländlich-agrarwirtschaftlicher Gesellschaften Bezeichnung für
Kulturkreise verschiedener historischer Epochen. Heute wird der Begriff
"Hochkultur" vielfach auch im Gegensatz zu den vom offiziellen Kulturbetrieb
bzw. von den diesen bestimmenden gesellschaftlichen Schichten (noch) nicht
als "Kunst" oder "Kultur" anerkannten Formen kultureller Aktivitäten
gebraucht (z.B. die "Subkultur", "Gegenkultur" oder "Alternativkultur"
nichtsubventionierter gesellschaftlicher Randgruppen).
Hommage,
von lat. homo = Mensch. Huldigung eines Künstlers durch sein Werk
an eine bedeutende Person oder Sache.
Hosenrolle,
Opernpartie, die eine männliche Figur verkörpert, aber für
eine Frauenstimme komponiert ist. Z.B. Komponist in "Ariadne auf Naxos"
und Octavian im "Rosenkavalier" von Richard Strauss.
Hörertypen,
Typen musikalischen Verhaltens in der gegenwärtigen Gesellschaft (aus:
Th.W.Adorno, Einleitung in die Musiksoziologie, 1968). Adorno unterscheidet
sieben Typen, die nicht "chemisch rein" vorkommen. Der Experte, Der Gute
Zuhörer, Der Bildungshörer, Der Emotionale Hörer, Der Ressentiment-Hörer,
Der Hörer von Musik als Unterhaltung, Der Gleichgültige-Unmusikalische-Antimusikalische.
Humanismus,
neulat. Wort aus dem 19.Jh.. Die Geisteshaltung der Renaissance,
gekennzeichnet durch eine erneute, intensive, auf Quellenstudium gestützte
Wiederbelebung des antiken Gedankengutes. Im Vordergrund steht die sorgfältige
Pflege (Sammlung, Interpretation, Edition, Kommentierung) der antiken Überlieferung,
dann auch der Versuch, die antiken Autoren nachzuahmen. Der H. entstand
in Italien und breitete sich über ganz Europa aus.
Ikonographie,
griech., Bildbeschreibung, die Lehre von den Bildinhalten. Deutet Darstellungen
in der bildenden Kunst.
Impressionismus,
lat. impressio = Eindruck, franz. impression = Eindruck.
In der Malerei Stilrichtung
, die im 3.Viertel des 19.Jh.s in Frankreich als Bewegung gegen die erstarrten
Kunstlehren des bürgerlichen Akademismus entstand. Im engeren Sinn
eine Gruppe französischer Maler, die sich im offiziellen Pariser "Salon"
nicht durchsetzen konnte und deshalb zum erstenmal 1874 mit einer eigenen
Ausstellung an die Öffentlichkeit trat. Ihren Namen gab sich die Gruppe
nach dem Titel eines Bildes von Claude Monet, das ein Kritiker abschätzig
erwähnte. Wichtige Vertreter: Claude Monet, Edouard Manet, Auguste
Renoir, Edgar Degas, Camille Pissaro, Alfred Sisley, Berthe Morisot; die
Neoimpressionisten Georges Seurat, Paul Signac; in der Plastik: Auguste
Rodin.
In der Musik des ausgehenden
19. und beginnenden 20.Jh.s eine durch Claude Debussy und Maurice Ravel
vertretene Richtung, die gekennzeichnet ist durch ihre Tendenz zu formaler
Auflösung und konturarmen, fließendem Klangfarbenspiel. Im Sinne
der Romantik ist der musikalische I. angelegt auf
die Erzeugung von Natur- und Anregung von Gefühlsstimmungen. "Die
Musiker sind dazu ausersehen, den ganzen Zauber einer Nacht oder eines
Tages, der Erde oder des Himmels einzufangen. Sie allein können ihre
Atmosphäre oder ihren ewigen Pulsschlag erwecken." (Claude Debussy)
Impressum,
lat. impressum = das Eingedrückte, Aufgedrückte.
Aufdruck auf Druckschriften
mit Angaben über Erscheinungsort- und/oder -zeit, Eigentümer,
verantwortlicher Redakteur, Herausgeber, Verleger usw.
Industrial
Design, siehe Angewandte Kunst
Initiale,
von lat. initialis = am Anfang stehend, bzw. lat. initium = Anfang. Zunächst
ein durch seine besondere Gestaltung (Größe, Farbe, künstlerische
Ausschmückung ) hervorgehobener Buchstabe am Beginn einer Hand- oder
Druckschrift, später auch am Beginn eines Kapitels, einer Seite oder
eines Absatzes. Zur Zeit der Romantik und des Jugendstils,
als man die handwerkliche Kunst der Buchherstellung wiederbelebte, beschäftigte
man sich auch wieder mit der Ausschmückung durch den I.en.
Inspizient,
Position im Theaterbetrieb. Der I. überwacht den Ablauf einer Vorstellung
und ist für deren reibungslosen Ablauf (Auftritte der Schauspieler,
Sänger, Tänzer, Heben und Senken der Vorhänge, Umbauten
usw.) verantwortlich.
Instrumentalmusik,
reicht bis an die Anfänge der Musik zurück. Alles Singen ist
vom Spiel der Instrumente begleitet gewesen, auch wenn dieses nur aus Klatschen
der Hände und Schütteln einer Rassel bestand. Die Vokalmusik
und die I. kennzeichnen zwei Möglichkeiten der abendländischen
Musik. Vokalmusik ist an die physiologischen Gegebenheiten der Stimmgattungen
gebunden. I. kann sich durch technische Erfindungen, Erweiterungen nach
Höhe und Tiefe, nach Geschwindigkeit in der Tonfolge usw. neuen Raum
schaffen und braucht vor Sprüngen nicht zurückschrecken, während
Vokalmusik an das Weiterschreiten gebunden ist.
Kleineren selbständigen
Instrumentalstücken, Vortragsstücken, Charakterstücken (lyrischen
Stücken, Genrestücken) für ein Soloinstrument, ein Melodieinstrument
und Klavier u. dgl., liegen kleine oder große Liedformen zugrunde.
Ihre in der Regel außermusikalischen Titel bezeichnen nicht eine
bestimmte Form, sondern beziehen sich nur auf den Inhalt und den Charakter.
Sie umfassen im weitesten Sinne:
Präludien (z.B. bei
J.S. Bach), besonders Choralvorspiele, deren Charakter durch den Choraltext
bestimmt wird; im 19.Jh. die Préludes von F.Chopin, im 20.Jh. jene
von C.Debussy (mit Untertiteln) u.a.;
Stücke allgemeiner
Art wie Tänze, Märsche, Fantasien, Klavierstücke, Bagatellen,
Moments musicaux. Impromptus, Albumblätter usw.;
speziellere Charakterstücke
wie Ballade, Berceuse, Capriccio, Elegie, Ekloge, Intermezzo, Lied ohne
Worte, Nocturne, Rhapsodie, Romanze usw.;
Charakterstücke mit
programmatischem Inhalt: Tombeau oder Lamento als Grab- oder Trauergesang.
Battaglia als Schlachtenschilderung, Caccia als Jagdschilderung;
Charakterstücke mit
außermusikalischem Inhalt, in einem Titel verbalisiert.
Air,
soviel wie Arie, Lied, im Gegensatz zu Tanzstück.
Bagatelle,
soviel wie belanglose Kleinigkeit; kurzes, anspruchsloses Klavierstück,
z.B. bei L.v.Beethoven und Max Reger.
Ballade,
ursprünglich soviel wie Tanzlied (Ballata); dann Vertonung eines erzählenden
Gedichtes von meist düsterem, tragischem Charakter; wie bei Carl Loewe
und Franz Schubert. Auch Bezeichnung für Klavierstücke ähnlichen
Inhalts (Johannes Brahms, Frédéric Chopin).
Barcarole
(ital.), Schifferlied (Chopin, Jacques Offenbach).
Berceuse
(franz.), Wiegenlied.
Burleske,
derbkomisches Musikstück.
Capriccio
(ital.), eigenwilliges (kapriziöses) Stück.
Elegie,
Klage über Trennung, Tod und Verlust.
Impromptu
(franz.), aus der Stimmung des Augenblicks entstandenes Musikstück
(Schubert).
Interludium
(lat.), Zwischenspiel.
Intermezzo
(ital.), Zwischenspiel, Mrz. Intermezzi.
Legende,
Erzählung aus dem Leben eines Heiligen.
Moment
musical (franz.), musikalischer Augenblick (Schubert).
Notturno
(ital.), franz. Nocturne, Nachtstück, nächtliches Stimmungsbild.
Postludium
(lat.), Nachspiel.
Präludium
(lat.), franz. Prélude, Vorspiel.
Rhapsodie,
aus verschiedenen Teilen zusammengesetztes Musikstück.
Romanze,
Liebeslied, lyrisches Instrumentalstück.
Scherzo
(ital.), lustiger, schneller Satz im 3/4 Takt (auch 2/4 Takt); seit Beethoven
Bestandteil der Sonate und der Sinfonie, anstelle des (ruhigeren) Menuetts.
Die Suite,
von franz. suite = Folge, (auch Partita, Ordre, Ouverture) ist eine Zusammenstellung
von getanzten oder stilisierten Tänzen und tanzfreien Sätzen,
besonders im Barock. Die Sätze stehen meist
in gleicher Tonart. Ausgangspunkt für die Suite ist die Paarbildung
von Tänzen: auf einen langsamen Schreittanz (in geradem Takt) folgt
ein schneller, gesprungener Nachtanz (in ungeradem Takt). Die Suite der
Barockzeit hat die Satzfolge: Allemande - Courante - Sarbande - Gigue.
Zwischen Sarabande und Gigue werden weitere Sätze (Intermezzi) wie
Menuett, Gavotte, Bourrée, Air u.a. eingefügt. Seit dem Versinken
der Barocksuite wurden bis heute aktuelle Ballettsuiten (P.I.Tschaikowsky,
Nußknackersuite), aktuelle oder stilisierte Tanzsuiten und historisierende
"alte" Suiten, geschrieben, die in Gehalt und Charakter neu sind (E.Grieg,
Holberg-Suite).
Nach dem Untergang der alten
höfischen Tanzkultur trat die neue bürgerliche an ihre Stelle.
Das aufwachende Nationalbewußtsein im 19.Jh. brachte dazu die Pflege
und die Verbreitung der verschiedenen Nationaltänze.
Polonaise und Mazurka kamen
aus Polen,
Polka und Schnellpolka aus
der Tschechoslowakei,
Csardas mit seinem langsamen
Lassu und schnellen Frizka aus Ungarn,
Bolero, Habanera und Tango
aus Spanien,
Schottischer Walzer oder
Ecossaise im schnellen Dreiertakt aus Schottland,
Deutscher Tanz, ein schneller,
rustikaler Drehtanz, sowie der
Ländler als langsamer
Drehtanz und der
Wiener Walzer als schneller
Modetanz ab Beginn des 19.Jh.s, ferner der rasche
Galopp in geradem Takt aus
Österreich, und der
Cancan im schnellen 2/4
Takt aus Paris ab etwa 1830.
Alle diese Tänze fanden
auch Aufnahme in die Operette des 19.Jh.s.
Im 20.Jh. wurden die angelsächsischen
Tänze Mode, wie der langsame English Waltz (1920), dann die amerikanischen
Tänze wie Foxtrott, Slow Fox, der jazznahe Blues und die Steptänze
wie Charleston und Jitterbug, dann die lateinamerikanischen Tänze
afrikanischen Ursprungs wie die brasilianische Samba (um 1920) und die
kubanische Rumba mit Mambo und Chachacha (1953)
Die Sonate
ist eine zyklische, aus mehreren selbständigen, aber zusammengehörigen
Musikstücken, sog. Sätzen bestehende Komposition. Die klassische
Sonate hat gewöhnlich vier Sätze:
1. Allegro moderato, 2.
Adagio oder Andante, 3. Menuett oder Scherzo, 4. Vivace oder Presto.
Die Sonatine
ist eine kurze, leichte, selten mehr als zweisätzige Sonate.
In den Formen und Gattungen
der Kammermusik, in Duos, Trios, Quartetten usw. (Quintett, Sextett, Septett,
Oktett, Nonett, Dezimett) zeigt sich meist der viersätzige Sonatentyp.
Die Serenade (ital. Abendmusik) ist meist mehr als viersätzig und
hat wie das Divertimento (ital. "Unterhaltungsmusik") und die Cassation
durchwegs heiteren Charakter.
Die Sinfonie
(auch Symphonie) ist eine in großen Ausmaßen auf das Orchester
übertragene Sonate. Sie ist in ihrer klassischen Form ein 4-sätziges
Werk für Orchester nach dem Vorbild der Sonate.
Seit dem Ende des 16.Jh.s
und im 17.Jh. bezeichnet der Ausdruck Sinfonia
Werke für Orchester ohne bestimmte Formangabe.
Vorläuferin der Symphonie wurde die Neapolitanische Opernsinfonia
(Satzfolge: schnell - langsam - schnell), die sich im 18.Jh. aus ihrer
Funktion als Opernouverture löste.
In der vorklassischen Sinfonia
entfällt der Generalbaß, und die Streicher (4-stimmig - 1.Violinen,
2. Violinen, Violen, Celli/Kontrabässe) bauen ihre zentrale Stellung
aus. Die Bläser (2 Oboen und 2 Hörner) übernehmen nur begleitende
Funktionen. Führend ab etwa 1730/40 sind Oberitalien (G.B.Sammartini,
1700-1775), dann besonders die Mannheimer Schule (J.Stamitz, 1717-1757)
und die Wiener Schule (G.M.Monn, 1717-1750 und G.Ch.Wagenseil (1715-1757).
Die klassische Symphonie
repräsentiert sich vor allem im Werk von Joseph Haydn mit seinen 104
Symphonien (darunter die 12 Londoner Symphonien, 1795) und den 41 Symphonien
von W.A.Mozart. Ab etwa 1765 sind die Symphonien 4-sätzig mit einem
vor dem Finalsatz eingefügten Menuett.
1.Satz: Schnell - Sonatenform
2.Satz: Langsam - Liedform,
Variationen, Sonatenform
3.Satz: Menuett - später
Scherzo (ab Beethovens 2.Symphonie)
4.Satz: Schnell - Rondo,
sonatenhaftes Rondo, Sonatenform
L.v.Beethoven steigert seine
9 Symphonien über den Gattungsbegriff hinaus zu Einzellösungen.
Er erweitert die Form, vergrößert das Orchester
und ersetzt das Menuett durch das bewegtere Scherzo. In seiner 9.Symphonie
mit Schlußchor kombiniert Beethoven Symphonie und Kantate. Der Schlußsatz
ist kein normales Finale mehr, sondern richtet sich gehaltlich und formal
nach dem Text der Ode "An die Freude" von F.Schiller.
Die nachklassische Symphonie
des 19.Jh.s entwickelt sich in zwei Richtungen, die sich beide auf Beethoven
berufen:
die eine sucht den klassischen
Symphoniebegriff reiner Instrumentalmusik mit romantischen Mitteln zu erweitern
(Franz Schubert, 9 S.en; Felix Mendelssohn-Bartholdy, 5 S.en; Robert Schumann
und Johannes Brahms, je 4 S.en; Anton Bruckner, 9 S.en; Jean Sibelius,
7 S.en; Peter I.Tschaikowsky, 6 S.en);
die andere sucht über
ein außermusikalisches Programm neue symphonische Formen. Sie führt
über die Programmsymphonie (Hector Berlioz, Symphonie fantastique)
zur Symphonischen Dichtung (Franz Liszt; Richard Strauss, Till Eulenspiegel,
Don Juan u.a.).
Eine Synthese aller symphonischen
Möglichkeiten unter Einbeziehung und Vereinigung instrumentaler und
vokaler Mittel gelingt Gustav Mahler in seinen 10 Symphonien (Die 10.S.
ist Fragment geblieben.).
1.Symphonie: 4 Sätze
2.Symphonie: 5 Sätze
- Soli, Chor und Orchester
3.Symphonie: 6 Sätze
- Soli, Chor und Orchester
4.Symphonie: 4 Sätze
- Sopransolo (im 4. Satz)
5.Symphonie: 5 Sätze
6.Symphonie: 4 Sätze
7.Symphonie: 5 Sätze
8.Symphonie: 2 Sätze
- 1.Satz: Pfingsthymnus "Veni crator spiritus"; 2.Satz: Schlußszene
aus Goethe`s Faust II; Soli, 3 Chöre, Orchester
9.Symphonie: 4 Sätze
- Satzfolge: Langsam - Schnell - Schnell - Langsam
10.Symphonie: nur 1 Satz
vollendet; Adagio
Spätromantische "Entgrenzung"
der Aufführungsdauer, der -mittel usw.
Im 20.Jh. entstanden zahlreiche
Symphonien für großes oder für Kammerorchester als Individuallösungen
weit außerhalb des klassischen Gattungsbegriffes (A.Webern, I.Strawinsky,
S.Prokofieff, D.Schostakowitsch u.a.).
Das Konzert
hat Ähnlichkeit mit der Sinfonie, ist aber für ein virtuos geführtes
Soloinstrument mit Orchesterbegleitung geschrieben. Es hat (seit Mozart)
eine modifizierte, dreisätzige Sonatenform. Im Concerto grosso bei
G.F.Händel wechseln mehrere Soloinstrumente, das sogenannte Concertino
mit der Gesamtheit des Orchesters ab, dem sog. Tutti (Ripieno) oder Concerto
grosso.
Variation und Passacaglia:
Der langsame Satz einer Sonate (einer Sinfonie) hat manchmal Variationsform,
indem auf ein Thema in zwei- oder dreiteiliger Liedform mehrere Variationen
dieses Thema folgen. Man unterscheidet die formale Variation (auch Ornamental-
und Figuralvariation), bei welcher nur Melodie und Begleitstimmen verändert,
verziert, umspielt werden, die Form und der Ausdrucksgehalt des Themas
aber beibehalten werden, und die Charaktervariation, welche den Ausdrucksgehalt
verändert. Die freie Variation verarbeitet einzelne Motive zu neuen
Formen, wobei die letzte Variation oft phantasieartig erweitert ist;
selbständige Variationenwerke (M.Reger) bringen oft zahlreiche Variationen
und schließen meist mit einer Fuge. Eine besondere Abart der Variation
ist die Passacaglia, auch Chaconne genannt, eine alte Tanzform im Dreiertakt,
die aus Variationen über einem immer wiederkehrenden meist 4- oder
8-taktigen Baß (basso ostinato) besteht.
Die Ouverture
bedeutet soviel wie ein Eröffnungsstück, eine Einleitung zu Opern,
Oratorien, Suiten. Die alte französische Ouverture (nach J.B.Lully)
hatte die dreiteilige Form langsam - schnell - langsam, die italienische
Ouverture (nach D.Scarlatti) hingegen die Satzfolge schnell - langsam -
schnell; die klassische Ouverture steht in Sonatenform. Programmouverturen,
die sich programmatisch auf den Opernstoff beziehen, setzen sich in der
Romantik
durch (z.B. Carl Maria v.Weber, Freischütz). Konzertouverturen sind
programmatische Natur- und Seelengemälde in Tönen, komponiert
für den Konzertsaal (Felix Mendelssohn - Bartholdy, Die Hebriden).
Schauspielouverturen haben ebenfalls programmatischen Inhalt (Beethoven,
Egmont; Mendelssohn, Sommernachtstraum). Potpourrieouverturen reihen die
bekanntesten Melodien einer Oper oder Operetten aneinander (Johann Strauß,
Fledermaus). Im Laufe des 19.Jh.s kommt das freie Opernvorspiel auf, das
eine bestimmte Stimmung schildert und unmittelbar in der Oper überleitet
(Richard Wagner, Tristan und Isolde.)
Die wichtigste kontrapunktische
Form ist die Fuge (von lat. fuga =
Flucht). Die Fuge ist ein mehrstimmiges Instrumental- oder Vokalstück,
wobei der Terminus Fuge sich auf dessen spezifische polyphone Setzweise
und zugleich auf dessen Form- und Bauprinzip bezieht. Die Stimmenzahl liegt
in der Regel bei 3 und 4. Ihre exemplarische Gestalt erhielt die Fuge in
der Bach-Zeit. Ihr strenges und zugleich phantasievolles Ordnungsprinzip
galt als Abbild einer höheren Weltharmonie. Eine Fuge mit zwei Themen
heißt Doppelfuge, mit drei Tripelfuge und mit vier Quadrupelfuge.
Die Fughetta ist eine kleine, leichte Fuge, das Fugato eine kurze fugenähnliche
Themenverarbeitung. Inventionen nennt J.S.Bach kleine zweistimmige Klavierstücke;
die dreistimmigen bezeichnet er als Sinfonien.
Inszenierung,
Einrichtung
und Einstudierung eines Bühnenwerkes und zugleich das Endprodukt dieser
Arbeit, das vom Regisseur gestaltete Gesamtkunstwerk Aufführung.
Intuitive
Musik, siehe Musik des
20. Jahrhunderts
ISBN,
Internationale Standard Buch Nummer, z.B. ISBN 3-499-16142-7
Jazz.
Den Jazz schufen sich die Schwarzen in New Orleans, Louisiana, indem sie
Elemente der sie umgebenden Musik vermischten: aus der eigenen afro - amerikanischen
Tradition, den Spirituals und der Musik der Weißen, d.h. der europäischen
Tanz- und Militärkapellen. Nach dem Vorbild der weißen Brass
Bands (Blasorchester) gab es im 19.Jh. schwarze Marching Bands, die bei
Begräbnissen, Hochzeiten, Festen aufspielten: Märsche, Tänze,
Lieder, Choräle, Spirituals, Blues usw.. Die Marching Bands verkleinerten
sich um 1890 zu den ersten Jazz-Bands in den Kneippen von New Orleans mit
der typischen (Solo-) Besetzung Kornett (oder Trompete), Klarinette, Posaune,
Baßtuba, Banjo (Gitarre oder Piano). Sie übernahmen auch die
funktionale Harmonik und den Marschrhythmus (2/4).
Ragtime
heißt der Klavierstil, der sich ab etwa 1870 von St.Lous ausbreitete.
Er verband europäische Salon- und Tanzmusik (Märsche, Polkas
usw.) mit Banjo-Spielart. Der Ragtime wird sehr virtuos um 1900-1910.
Charakteristika des Jazz:
Die Musizier- und Ausdrucksweise der Neger, die auf alte Praktiken ihrer
afrikanischen Heimatländer zurückgeht, macht das Wesen des Jazz
aus:
- Hot-Intonation: Die emotionsgeladene,
der Negersprache verwandte, unsaubere Tongebung (dirty tones) beim Singen
und Spielen mit Schleifen, Vibrato, Beben, Drücken, Brummen, Seufzern,
Pausen und Geräusch. Die Blasinstrumente ahmen den Gesang nach (singing
horns).
- Blue notes: Terz und Septe
wechseln zwischen groß und klein wie eine Farbe, nicht wie Dur und
Moll, besonders beim Blues.
- Off-Beat: alle Abweichungen
von der regelmäßigen Schlagzeit (Beat); das reicht von der notierbaren
Synkope bis zu feinster Verzögerung und Beschleunigung. Der Off-Beat
bringt den typischen drive ("Intensität") und swing ("Schwung").
- Alteration: reichere Farben
der funktionalen Harmonik, spätromantischer, impressionistischer Einfluß,
bis zu gleichzeitiger Hoch- und Tiefalteration der Quinte usw..
- Call-and-Response-Prinzip:
responsorialer Wechsel nach afrikanischem Vorbild zwischen Vorsänger
mit Ruf (call, Statement) und Chor mit Antwort (response, Refrain),
oft überlappend (bis mehrtextig); im Blues Gesang (Trp.) mit Ruf,
Klavier (Pos.) mit Antwort.
- Improvisation: erst die
Perfektion der Aufnahme bringt Arrangement und Komposition.
- Polyphonie: die Melodieinstrumente
variieren, verzieren und umspielen die Melodie aus dem Stegreif, je nach
Lage, Art und Temperament, sodaß eine Heterophonie und Scheinpolyphonie
entsteht: die wendige Klarinette in der Höhe, die glänzende Trompete
in der Mitte, die kräftige Posaune in der Tiefe; die Rhythmusgruppe
bildet das harmonische und metrische Fundament. Die späteren Arrangements
und Kompositionen bringen kontrapunktisch perfekte Polyphonie.
Der Blues
(Blue devils), Melancholie, Ausdruck der (Sklaven-)Not und Quelle des Jazz
vom frühen ländlichen über den klassischen städtischen
Blues bis heute. Der moderne Blues, oft rein instrumental, hält sich
weder an den klassischen Aufbau noch an das alte langsame Tempo.
Dixieland
(1900-20) ist die frühe Nachahmung des New-Orleans-Jazz durch weiße
Musiker (Dixieland: im 19.Jh. die Südstaaten der USA).
Chicago
(1920-30). 1917 schloß das Vergnügungsviertel Storyville in
New Orleans. Viele Musiker gingen nach Chicago, Schwarze und Weiße
spielten zusammen. Der Chicago-Stil hat Hot-Intonation usw. Der Chicago-Jazz
begeisterte auch Europa und beeinflußte die Musiker der 20er Jahre.
Swing
(1930-40). Die Plattenaufnahmen der 20er Jahre bringen außer Perfektion
den Kommerz. Zum Zentrum wird New York mit dem Jazz am Broadway und dem
symphonischen Jazz. Die kleine Band wächst an zur Big Band mit Show-Charakter.
Der Swing beherrschte die U-Musik, das Musical und den Film.
Negro
Spiritual. Die Neger der Südstaaten sangen ihre geistlichen
Lieder zum Gottesdienst mit alten afrikanischen Bräuchen wie ostinates
Händeklatschen und Fußstampfen, Reigentänzen vor der Kirche
und aktiver Teilnahme an der Liturgie. Call and Response belebten den Priester-Vortrag.
Man sang mit oder ohne Instrumente mit allen Ausdrucksarten der Schwarzen
(Hot-Intonation usw.).
Bebop
(1940-50). Aus den Big Bands fanden sich kleinere Solisten-Ensembles (Combos)
in sog. Jam-Sessions zu experimenteller Jazz-Improvisation. Dabei entstand
in Harlem um 1940 ein neuer Stil, der Bebop, der in seinen rasenden Tempi
und Melodienfetzen die Zerrissenheit jener Zeit spiegelt.
Cool
Jazz (1950-60). Der Exzentrik des Bebop setzt um 1950 der Cool
Jazz eine differenzierte Kammermusik entgegen. Legatospiel, lineares Ineinander
ohne harte Akzente, kontrapunktische Gewebe, Imitation öffnen sich
europäischer E-Musik-Tradition samt Atonalität.
Mit dem Free
Jazz (1960-70) begann ein letzter Schritt in Richtung moderne
Musik (Postserialität), frei von Jazz-Traditionen wie Beat, Chorus,
tonaler Harmonik.
Electric
Jazz (1970-80). Ab etwa 1970 nutzt man zunehmend die Elektronik
unter Einfluß des Rock, doch entstand bereits um 1975 die sog. Mainstream-Bewegung
(eine Art Neue Einfachheit). Der Stilpluralismus bleibt erhalten.
Jugendstil,
Deutsche Bezeichnung für eine Stilrichtung der europäischen Kunst
von etwa 1915, die sich gegen den Historismus
wandte. Der Name leitet sich von der seit 1896 in München erscheinenden
Zeitschrift "Jugend" ab, die durch ihre neuartige typographische Gestaltung
auffiel. Der J. ist die Zusammenfassung zahlreicher künstlerischer
und vor allem kunsthandwerklicher Reformbestrebungen, die, um die Mitte
der 2.Hälfte des 19.Jh.s von England ausgehend (William Morris), die
Bedrohung der Kultur durch die beginnende Hochindustrialisierung sowie
die mit ihr verbundene gedankenarme Nachahmung historisierender Stile bekämpfen
wollte. Der neue Formwille, der sich rasch über ganz Europa ausbreitete
(in England "Modern Style", in Frankreich "Art nouveau" genannt), schuf
eine neuartige großzügige Ornamentik, die durch abstrahierte
und ins Dekorative umgesetzte pflanzliche Motive sowie flächige Gestaltung
gekennzeichnet ist. Die bedeutendsten Leistungen des J.s liegen im Bereich
des Kunsthandwerks. Wichtige Vertreter: die Belgier Victor Horta und Henry
van de Velde, in England Aubrey Beardsley, die Deutschen Joseph Olbrich,
Erich Mendelssohn und Peter Behrens, in Frankreich Emile Gallé und
Louis Comfort Tiffany sowie die Österreicher Gustav Klimt, Kolomann
Moser und z.T. Otto Wagner und Josef Hoffmann.
Kalligrafie,
von griech. kalos = schön und graphia = Schrift. Kunst des Schönschreibens.
Der K. geht es weniger um den Mitteilungscharakter der Schrift als um deren
Reiz für ornamentale Verzierungen. Besonders hoch entwickelt in jenen
Kulturen, in denen die bildhafte Darstellung eine untergeordnete Rolle
spielt. Die K. ist daher im Islam besonders hoch entwickelt. Es gibt dort
auch eigene Hochschulen für K. (z.B. Kairo, Teheran).
Kammermusik,
ital. Musica da Camera, franz. Musique de chambre, engl. Chamber-music.
Mit dem Begriff K. wird alle Musik gemeint, die in der "camera",
dem Musizierraum der absolutistischen Fürsten erklang. Damit unterscheidet
sie sich nur wenig von der Hausmusik, die die Musik im Bürgerhaus
meint. Die Kammermusik ist von der Musik in Kirchen und Opernhäusern
zu unterscheiden. Ihre Besetzung ist stets solistisch. Ab der Klassik
grenzt sich die Kammermusik auch von der aufkommenden Konzertmusik mit
Chor, Orchester und großem Publikum ab.
Sie wendet sich ihrem Wesen nach wie im Barock an
einen kleinen Kreis von Kennern und Musikliebhabern. Vgl. auch Dilettant,
Hausmusik.
Kantate,
siehe Vokalmusik
Kapelle,
siehe Orchester
Kathedrale,
von griech. cathedra = (Bischofs-)Stuhl. Bezeichnung für die Bischofskirche,
u.a. in Frankreich, Spanien und England (in Deutschland und Italien meist
Dom). Als Bautyp herrschte zunächst die Basilika vor, in der Spätgotik
die Hallenkirche.
Kavatine,
siehe Vokalmusik
Kitsch,
erst seit der zweiten Hälfte des 19.Jh.s bezeugtes deutsches Wort
für "Schund; Geschmacklosigkeit". Der Ausdruck wurde zuerst um 1870
bei Malern bei Kunsthändlern in München gebraucht; verkitschen,
zu Geld machen. Meist handelt es sich um Werke des süßen K.:
Werke, die mit primitiven Mitteln schöne Illusionen und Rührung
erwecken wollen; auch grobe industrielle Nachahmungen volkstümlicher
Kunst, z.B. Andenkenkitsch. Eine strenge Unterscheidung zwischen K. und
Kunst ist schwer möglich.
Klassik,
von lat. classicus = "zur ersten Steuerklasse gehörig", d.h. "in jeder
Hinsicht vollkommen".
1. Im ursprünglichen
Sinn der Höhepunkt der griechisch-römischen Kultur.
2. In der Literatur einer
literaturhistorische Epoche, die den Höhepunkt der Literatur eines
Volkes darstellt, in der Neuzeit besonders dann, wenn diese Epoche auf
das Gedankengut der klassischen Antike zurückgreift.
3. In der Musik versteht
man unter K. die Zeit und den Stil der drei großen Wiener Meister,
Joseph Haydn, W.A.Mozart und L.v.Beethoven, die Wiener Klassik. Der Epochenbegriff
entstand nach Beethovens Tod, angeregt durch die Vollkommenheit des Satzbildes,
den hohen humanitären Gehalt und das Schönheitsideal, besonders
in der Musik Mozarts. Klassisch bedeutet allgemein soviel wie mustergültig,
schön, voll Ebenmaß und Harmonie, dabei einfach und verständlich.
Gefühls- und Verstandeskräfte, aber auch Inhalt und Form finden
ein Gleichgewicht in der Gestalt des Kunstwerks. Das 18.Jh. ist das Zeitalter
der Aufklärung, durch die der Mensch mit Hilfe seines Verstandes und
seines kritischen Urteilsvermögens zu Eigenständigkeit und Mündigkeit
gelangt (I.Kant). Die Aufklärung führt zum Zerbrechen der alten
Ordnung und zu einer neuen Vorstellung von Würde, Freiheit und Glück
des Menschen. An die Stelle der höfischen Kultur tritt mehr und mehr
die bürgerliche Kultur mit privatem Haus, Salon, Café, Saal.
Gegen barocke Lebensart, Schwulst, Pathos, Zeremoniell und Künstlichkeit
erhebt sich die Sehnsucht nach dem Einfachen und Natürlichen. In der
neuen bürgerlichen Musikkultur mit Hausmusik und Salonmusik, öffentlichem
Konzert und Oper, anonymem Publikum, Verlagswesen und Musikkritik muß
sich ein Musiker als freier Künstler behaupten. Die klassische Grundform
ist der Sonatensatz (Vgl. Instrumentalmusik).
Klassizismus,
von lat. classicus = "zur ersten Steuerklasse gehörig", d.h. "in jeder
Hinsicht vollkommen".
1. Allgemein: Orientierung
an klassischen Mustern und Regeln, wobei antike Formelemente dem Zeitgeschmack
angepaßt werden.
2. In der bildenden Kunst:
a.) Baustil nach 1600 in
Italien, Frankreich, England und Holland;
b.) Stilrichtung von etwa
1770 bis 1830.
Der K. entwickelte sich
parallel zum höfisch-katholischen Barock. Er
greift bewußt auf die, von Andrea Palladio in der Architktur ermittelte,
Formensprache der Antike zurück. Die Architektur des
K. übernahm die charakteristischen
Elemente der antiken Baukunst (Säulen, Dreiecksgiebel, Halbkreisbögen
und Tonnenwölbung). Im Mittelpunkt der die antiken Themen bevorzugenden
Plastik und Malerei steht die menschliche Gestalt.
3. In der Literatur: auf
die klassische Antike bezogener Stil- und Wertbegriff für Dichtung,
die sich antiker Stoffe und Stilformen bedient (im Deutschland des 18.Jh.s
z.B. bei Gottsched und Wieland).
Klavierauszug,
Übertragung (Transkription) eines für andere Instrumente geschriebenen
Tonsatzes auf das Klavier, um besonders bei Opern oder Orchesterwerken
mit Solisten die Einstudierung anhand eines Klaviers (vgl. Korrepetitor)
vornehmen zu können.
Komposition,
von lat. componere = zusammensetzen.
1. In der Musik das tonschriftlich
fixierte, reproduzierbare Produkt eines Komponisten.
2. In der Literatur der
Aufbau eines Sprachkunstwerkes.
3. In der bildenden Kunst
die nach Harmoniengesetzen vorgenommene Anordnung und Verbindung formaler
Elemente in einem Kunstwerk, z.B. Verteilung von Figurengruppen, Festlegung
von Bewegungsmotiven, Lichtverteilung usw. im Verhältnis zu allen
zur Darstellung gelangenden Dingen und zu dem sie umgebenden Raum.
Konzert,
1. musikalische (konzertante nicht szenische) Veranstaltung. 2. Gattung
und Form der (Vgl.) Instrumentalmusik.
Konzertarie,
siehe Vokalmusik
Kopie,
von lat. copia = Menge.
1. genaue Abschrift, Nachbildung.
2. Photographie, Abzug eines
photographischen Negativs auf lichtempfindliches Papier oder Kinofilm.
3. Drucktechnik, die photomechanische
Übertragung eines Negativs auf eine feste Druckform.
4. In der bildenden Kunst
die genaue Nachbildung eines Werkes durch den Küstler selbst (=Replik)
oder durch einen anderen. Im Unterschied zur Reproduktion gleicht die K.
in Format, Material und Technik dem Original; seine von der Hand des Urhebers
geschaffenen Abwandlungen werden als Fassungen bezeichnet.
Korrepetitor,
Pianist und (Hilfs)Dirigent an einem Theater, der mit Sängern die
Einzelproben abhält (korrepetiert), und als Ballett-K. die Ballettproben
betreut.
Kubismus,
Richtung der modernen Malerei und Plastik, 1907 zuerst in Frankreich entwickelt.
1907 begannen Pablo Picasso und Georges Braque, in Anknüpfung an die
Bildraumauffassung von Paul Cézanne, die dargestellten Gegenstände
auf geometrische Grundformen (z.B. Kuben) zurückzuführen. Die
Entwicklung des K. ist um 1915 abgeschlossen, die Erkenntnisse wirkten
jedoch in verschiedenster Form weiter (z.B. im Futurismus).
Kulisse,
mit bemalter Leinwand oder Papier bespannte Holzrahmen, die paarweise hintereinander
an den Seiten der Guckkastenbühne angeordnet wurden und zusammen mit
dem Hintergrundprospekt ein perspektivisches, auf Tiefenwirkung angelegtes
Bühnenbild ergeben. Siehe auch: Deus ex
machina, Drehbühne, Gasse,
Guckkastenbühne,
Prospekt,
Versenkung,
Vorhang.
Kunstbetrachtung,
Methode der Wahrnehmung und Interpretation von Kunstwerken, die auf möglichst
alle Aspekte ausgerichtet ist, welche das Kunstwerk betreffen und dabei
die Befindlichkeit des Betrachters miteinschließt.
Kunstgewerbe,
siehe Angewandte Kunst
Kunstlied,
siehe Vokalmusik
L'art
pour l'art, franz. "Kunst für die Kunst", oder "Kunst um
der Kunst willen". 1836 von dem franz. Philosophen Victor Cousin geprägter
Begriff, und besonders seit dem Ende des 19.Jh.s eigene Lehre, wonach die
Kunst Selbstzweck sei. Demzufolge wäre Kunst unabhängig von "außerkünstlerischen"
Gegebenheiten wie Politik, Recht, Moral usw. entstanden und auch losgelöst
von außerkünstlerischen Maßstäben (z.B. gesellschaftlichen
Umständen) zu beurteilen.
Libretto,
ital. Büchlein, Textbuch für eine Oper, eine Operette, ein Musical,
verfaßt von einem Librettisten.
Lied,
siehe Vokalmusik
Literaturoper,
Gattung in der Operngeschichte am Ende des 19. bzw. Beginn des 20.Jh.s.
Anstelle eines Librettos wir die literarische Vorlage eines Dramas vertont.
Beispiele: Richard Strauss-Oscar Wilde, Salome; Alban Berg-Georg Büchner,
Wozzeck.
Loggia,
ital. Laube. 1. Vorne offen, von Säulen oder getragenen Bogenhalle.
2. Balkonähnlicher überdeckter Raum bei Wohnhäusern.
Logo,
griech. logos = das Sprechen, das Wort, die Erzählung, das Berechnen,
die Vernunft, der Grund. Bildzeichen oder kombiniertes Bild-Schrift-Zeichen,
das besonders für Firmen, Vereine o.ä. optisch kennzeichnende
und möglichst einprägsame, "sprechende" Wirkung hat.
Madrigal,
siehe Vokalmusik
Malerei. Neben der Grafik,
der Plastik und der Architektur gehört die M. zu den traditionellen
künstlerischen Ausdrucksformen. Ihr erstes Wesensmerkmal ist es, daß
die dreidimensionale Wirklichkeit unter Zuhilfenahme von Farbe auf zweidimensionale
(flächige) Malgründe gebannt wird.
Malerische
Techniken:
Wandmalerei, jede Art von
Malerei auf unbeweglichem Grund.
Fresko, von ital. fresco
= frisch, Wandmalerei mit Kalkfarben auf frischem, noch feuchtem Kalkmörtelputz.
Secco, von ital. secco =
trocken, Malerei auf trockenem Putz; da nicht sehr wetterfest, hauptsächlich
für Innenräume geeignet.
Sgrafitto, von ital. graffiare
= kratzen. Auf einen mit farbigem Sand oder mit kalkechten Pigmenten durchgefärbten
Unterputz wird ein Freskoputz aufgetragen. Aus diesem werden Konturlinien
oder Flächen ausgekratzt. Auch mehrschichtiger Auftrag ist möglich.
Buchmalerei, in der Größenunterscheidung
zur Wandmalerei auch Miniaturmalerei genannt. Technisch werden zwei Arten
der B. unterschieden: die Federzeichnung und die Deckfarbenmalerei, zumeist
auf Goldgrund.
Aquarellmalerei, von lat.
aqua = Wasser. Sie beruht auf der Lasurwirkung der Farben, d.h. die dünn
aufgetragenen Farben decken den Malgrund nicht zu, sondern lassen ihn durchscheinen.
Zwei Techniken: a) das Übereinanderlegen einzelner Farbschichten,
wodurch sich diese optisch mischen;
b) das Malen Naß-in-Naß;
dabei verrinnen die Farben während des Malvorgangs auf dem vorher
angefeuchteten Papier ineinander.
Gouachemalerei, von ital.
guazzo = Wasserplatz. Malerei mit deckenden Wasserfarben. Hellt durch Zusätze
(z.B. Tonerde, Zinkweiß) beim Trocknen stark auf und ergibt eine
luftige, dem Pastell ähnliche Wirkung.
Deckfarbenmalerei, deckende
Malerei mit pigmentreichen Farben, die in einem wasserlöslichen Bindemittel
(z.B. Leim oder Gummi arabicum) angesetzt sind.
Tafelmalerei, ursprüngliches
Malen auf grundierten Holztafeln, später auf aufgespannter, grundierter
Leinwand (Staffelbild).
Temperamalerei, steht mit
ihrem ganz spezifischen Charakter zwischen Wasser- und Ölfarben. Als
Bindemittel werden Emulsionen (z.B. Hühnerei, Kasein oder eine Mischung
aus Leinölfirnis und Leim) verwendet.
Ölmalerei, heute noch
die gebräuchlichste der traditionellen Maltechniken, wenn es sich
um Innenraumgemälde handeln soll, die haltbar und nicht durch eine
Glasscheibe zu schützen sind.
Dispersionsfarbenmalerei,
Pigmente mit verschiedenen Kunstharzdispersionen als Bindemittel.
Mischtechnik, Kombination
verschiedener malerischer und grafischer Techniken.
Manierismus,
von lat. manus = Hand über franz. manière = Art und Weise.
Im allgemeinen Sprachgebrauch Bezeichnung für ein betont gekünsteltes
Benehmen oder die gekünstelte Nachahmung eines Stils. In der europäischen
bildenden Kunst Stilbegriff für die Zeit zwischen (Hoch-) Renaissance
und Barock, etwa 1520 bis 1600. Der M. spiegelt die
sozialen, politischen, wirtschaftlichen Spannungen sowie die geistige Unsicherheit
wider, die die Menschen am Ende der Renaissance, am Beginn des Übergangs
zum Hochkapitalismus empfanden.
Manifest,
von lat. manifestus = deutlich, augenscheinlich, offenkundig. Öffentliche
Grundsatzerklärung einer Einzelperson, einer Gruppe oder einer politischen
Partei. Z.B. Futuristisches Manifest von Filippo Tommaso Marinetti, 1909;
Surrealistische Manifeste von Andrè Breton, 1924 und 1930.
Manipulation,
von lat. manus = Hand und lat. plere = voll machen, füllen. l. Handgriff,
Kunstgriff, Kniff. 2. Im Handel das Anpassen der Ware an die Bedürfnisse
des Verbrauchers. 3. Beeinflussung, gezielte Lenkung (z.B. durch Massenmedien,
Kunstkritik).
Mansarde,
vom Namen des franz. Architekten Jules Hardouin Mansart (1646-1708) abgeleitet;
dieser ist jedoch nicht der Erfinder der M. Bezeichnung für ein Giebeldach
von gebrochener Form, das eine günstige Ausnützung des gesamten
Dachraumes ermöglicht.
Manuskript,
von lat. "mit der Hand geschrieben", ursprünglich die handschriftliche
Originalfassung eines Textes im Gegensatz zu den (anfangs handschriftlichen,
später gedruckten) Vervielfältigungen; dann jede (hand- oder
maschingeschriebene Druckvorlage. Vgl. Autograph.
Matinée,
von franz. matin = Morgen, Veranstaltung am Vormittag.
Mausoleum,
von griech. mausoleon (lat. mausoleum). Zunächst Bezeichnung für
berühmte Grabmal des Königs Mausolos von Karien; später
dann auch für andere prächtige Grabmäler.
Mäzenatentum,
abgeleitet von Gaius Clinius Maecenas (gest. 8 v. Chr.), einem vornehmen
Römer, der einen Kreis römischer Literaten, deren Gönner
er war (z.B. Vergil, Properz, Horaz), um sich sammelte. Nach Maecenas wird
noch heute ein privater Förderer der Künste Mäzen genannt.
Melodram,
siehe Vokalmusik
Messe,
siehe Vokalmusik
Minimal
Art, engl., Kunst, die mit einem Minimum (an Mitteln) auskommt.
Eine in den sechziger
Jahren des 20.Jh.s in den
USA entwickelte Richtung in der Plastik. Angestrebt wird eine Rückführung
der Gestaltungsmittel auf einfachste, klar in den Raum gesetzte geometrische
Formen ("primary structures"). Die Objekte sollen ohne Zutat allein aus
der Beziehung von Material, Licht und umgebendem Raum wirken. Eine der
M.A. in der bildenden Kunst verwandte Richtung ist die Minimal Music.
Minimal
Music, siehe Musik des
20. Jahrhunderts
Montage,
von franz. monter = aufwärtssteigen, hinaufbringen, aufstellen.
1. Allgemein: Aufbau, Zusammenbau;
Aufstellung von Maschinen und technischen Anlagen.
2. In der Literatur, speziell
in der modernen, das Ein- und Zusammenfügen ("Montieren") von sprachlichen,
stilistischen oder inhaltlichen Teilen unterschiedlicher Herkunft, z.B.
von Sprachklischees aus der überkommenen Literatur.
3. Bei audiovisuellen Medien
ein Gestaltungsmittel, das das Gezeigte dynamisieren und verdichten soll
(Film-, Fotom.).
4. In der bildenden Kunst
das Kombinieren verschiedenartiger, vorwiegend räumlich-körperhafter,
real vorgefundener, d.h. nicht vom Künstler selbst erzeugter Materialien
auf einer Unterlage oder im Raum.
M.en wurden in die europäische
Kunst des 20.Jh.s von den Kubisten eingebracht und, z.T. als gegenläufige
Strömung zur damals vorherrschenden abstrakten Kunst, nach 1950 als
Objektkunst weiter ausgebaut.
Monument,
von lat. monere = mahnen bzw. monumentum = Erinnerungszeichen, Denkmal.
Denkmal mit architektonischem Anspruch; oft mit Sockel, repräsentativ
gestaltet.
Mosaik,
von griech. mousa = Muse, auch Kunst; über lat. musivum = Einlegearbeit
in Mosaik bzw. ital. mosaico = bunte Vielfalt. Bildwerk oder Ornament aus
aneinandergesetzten verschiedenfarbigen Stein- oder Glasstückchen
an Wänden, Decken (Gewölben) oder Fußböden mit stark
dekorativer Wirkung. Die M.steinchen werden in eine auf das Mauerwerk aufgetragene
weiche Kitt- oder Mörtelschicht hineingedrückt. In der griechisch-hellenistischen
und antiken römischen Kunst vorwiegend als Fußbodendekoration.
In der frühchristlichen und byzantinischen Kunst besonders zur Ausschmückung
der Kirchenbauten. Der Betrachter sollte von der Würde des Unnahbaren
gebannt werden.
Moschee,
von arab. masgid = Ort, an dem man zum Gebet niederfällt. Islamischer
Kultbau, in dem sich die Gläubigen zum privaten und öffentlichen
Gebet einfinden.
Motette,
siehe Vokalmusik
Museum,
von griech. mouseion = Musensitz, Musentempel, über lat. museum =
Ort für gelehrte Beschäftigung. Bibliothek, Akademie; im
17.Jh. mit der Bedeutung "Kunstsammlung, Altertumssammlung" verwendet.
In der griechischen Antike das Heiligtum der Musen (Schutzgöttinnen
der Künste); im 3.Jh.v.Chr. Stätte des Aufbewahrens und wissenschaftlichen
Bearbeitens künstlerischer und anderer Gegenstände im Alexandrinischen
mouseion; heute öffentlich zugängliche Sammlung von als kulturell
wertvoll eingestuften Objekten sowie der sie beherbergende Bau. Traditionelle
Aufgaben des M.s: Sammeln, Erforschen, Bewahren und Präsentieren.
Musical,
siehe Vokalmusik
Musik
des 20. Jahrhunderts. Im späten 19.Jh. reift die Kulturkritik
am Industriezeitalter, seiner inneren Orientierungslosigkeit u.a. Der Stilpluralismus
des 20.Jh.s beginnt bereits um die Jahrhundertwende: dem Naturalismus setzt
der Symbolismus psychologische Tiefendimensionen entgegen (Generation Sigmund
Freuds),
die der sensible Impressionismus mehr besitzt
als er zugeben will; dem Historismus antwortet
der Jugendstil. Die Musik spiegelt all dies:
sie wird stilistisch vielgestaltiger und freier. Ungehemmt vermag sich
auch Banales mit tiefstem Seelenausdruck zu mischen, wie z.B. in der 1.Symphonie
von Gustav Mahler. Die musikalische Moderne kündigt sich damit an.
Zur Jahrhundertwende
mit Spätzeitcharakter und Aufbruchsahnung einer musikalischen Moderne
gehören der Impressionismus, der Expressionismus,
der Futurismus und der Neoklassizismus, der sich als eine Art "neue Klassik"
in Reaktion auf die Spätromantik zur klassischen Ästhetik zurückwendet
und die alten Gattungen und Formen neu belebt.
Im Folklorismus wächst
das Interesse an den Liedern und Tänzen der Völker als Reaktion
auf eine hohe Musikkultur, auf der Suche nach dem Ursprünglichen,
sowie als Sammlung und Erhaltung spezifischen musikalischen Materials,
das sonst verloren ginge.
Das 20.Jh. ist das Jh. der
Neuen Musik (Musica Nova, Musica viva, zeitgenössische Musik, Moderne,
Avantgarde). Neue Musik gab es auch zu anderen Zeiten:
die Ars nova um 1320 (Mittelalter),
die Ars nova um 1430 (Renaissance),
die Musica nova um 1600
(Barock),
die neue Musik um 1750 (Klassik),
die neue Richtung um 1820
(Romantik).
Jedoch war der Bruch mit
der Geschichte wohl nie so stark, und zwar durch die Aufgabe der Tonalität
und die Entwicklung der Dodekaphonie (Zwölftonmusik) durch Josef Matthias
Hauer (1883-1959) und Arnold Schönberg (1874-1951), und in weiterer
Folge durch Schönbergs Schüler Alban Berg (1885-1935) und Anton
Webern (1883-1945), bis zur Aufgabe des gesamten traditionellen Musik-
und Werkbegriffe (John Cage). Gleichzeitig aber blieb vieles von diesem
Bruch so gut wie unberührt (U-Musik, Neoklassizismus, Opern- und Konzertpraxis).
Das 20.Jh. praktiziert einen
musikalischen Stilpluralismus wie keine Zeit zuvor. Dazu tragen die reiche
Präsenz der eigenen Vergangenheit, die erweiterte Kenntnis der Musik
anderer Völker und die Verfügbarkeit von Musik auf Schallplatte
bei.
Nach einem Stillstand in
den 30er und 40er Jahren erfolgt nach dem 2.Weltkrieg um 1950 ein starker
Aufwind zu Neuem.
Man empfand allgemein eine
Zäsur:
ästhetisch als Erweiterung
des Musik- und Kunstwerkbegriffs, auch des Hörens;
stilistisch als Ende des
Neoklassizismus und Beginn des seriellen Denkens;
technisch als Aufbruch in
die elektronische Musik und in eine neue Klangwelt.
Auch erhalten U-Musik mit
Jazz-,
Pop- und Rockmusik durch Elektronik und Medien ungeahnte Verbreitung.
Musique concrète,
von Pierre Schaeffer 1948/49 so benannte Lautsprecher - Musik mit konkretem
Klangmaterial wie Geräuschen, Lärm, Instrumentalklängen,
Vogelstimmen, die mit Tonband aufgenommen und im Studio der ORTF durch
Auswahl, Veränderung und Collage zu Stücken verarbeitet wurden.
Engagierte Musik. Im Bewußtsein
der nicht abreißenden Greuel, Mißstände und des Unrechts
aller Art haben viele Musiker sich mit ihrer Kunst sozial und politisch
engagiert für eine humanere Welt. Z.B. Luigi Nono, Intolleranza (1960/61),
Sul ponte di Hiroshima (1962).
Serielle Musik. Um 1950 drängte
die Avantgarde auf totale Bestimmbarkeit der Einzeltöne (punktuelle
Musik). Vorbild war das Reihendenken Anton Weberns (Vgl. Dodekaphonie der
Wiener Schule; Schönberg, Berg, Webern). Analog zur alten Reihe der
Tonhöhen baute man Reihen mit 12 (oder weniger) Stufen auch für
die übrigen Parameter Dauer, Stärke, Farbe bzw. Anschlag (4 Elementreihen).
Z.B. Pierre Boulez, Le marteau sans maître (1952-54).
Aleatorik, von lat. alea
= Würfel, Zufall, bezeichnet zunächst in der Elektronik Vorgänge,
deren Verlauf im groben festgelegt, im einzelnen aber vom Zufall abhängt,
dann als Folge der seriellen Musik eine musikalische Form, die mit Wahlfreiheiten
des Interpreten auf verschiedenen Ebenen und in gewissen Grenzen rechnet.
Elektronische Musik kam mit
der Erfindung des Magnettonbandes um 1950 als neue Musikart zur Vokal-
und Instrumentalmusik hinzu. Man versteht
darunter nicht eine elektronisch verstärkte Musik, sondern elektronisch
erstellte Klänge, Kompositionen. Das 1. Studio für elektronische
Musik wurde 1951 am NWDR in Köln eingerichtet (Leitung: Herbert Eimert,
ab 1963 Karlheinz Stockhausen).
Intuitive Musik. Beeinflußt
von John Cage, Fernost, Popmusik u.a. entstand zur Zeit der Unruhen 1968
eine sehr einfache, meditative Musik, offen für irrationale Intuition.
Die Weitung von Zeit und Raum entflieht westlicher Industriehektik ebenso
wie das kollektive "für Ensemble" sich vom romantischen Genie-Streben
absetzt.
Postserielle Musik bringt
in den 60er Jahren das experimentelle Musiktheater (John Cage, Music Walk;
György Ligeti, Aventures), die Klangkomposition (G.Ligeti, Volumina)
und eine große Vielseitigkeit in Form und Ausdruck.
Minimal music, engl., Musik
(Kunst), die mit einem Minimum (an Mitteln) auskommt, kam Mitte der 60er
Jahre in den USA auf, parallel zu der mit wenigen Elementen arbeitenden
Minimal art. Charakteristisch sind eine stark meditative Musizierhaltung
und eine Art Klangkontinuum. Die Musik ist einfach zu erfassen: kein Kunstwerkcharakter,
sondern Klangprozesse, geplant oder spontan, sehr lang; jedoch nicht starr,
sondern in geringen Variationen und Phasenverschiebungen. Hauptvertreter
Steve Reich (geb. 1936) und Philip Glass (geb. 1937).
Neue Einfachheit, kam um
1970 als Schlagwort auf, analog zu den Neuen Wilden in der Kunst, heftig
attakiert von den Betroffenen, denn viele jüngere Partituren sind
weder "neu" noch "einfach", sondern mit alten Techniken vertraut, voll
Geschichtsbewußtsein und sehr komplex, oft mit körperhafter
Melodik und Rhythmik, viel Farben und Harmonie (auch Dur/Moll).
Musik
und darstellende Kunst, umfaßt die Kunstsparten Musik,
Musiktheater, Schauspiel, Ballett, Bühnenbild, ausgeübt, geschaffen,
gelehrt von Instrumentalisten, Sängern, Komponisten, Dirigenten, Schauspielern,
Regisseuren, Tänzern, Choreographen, Masken-, Kostüm- und Bühnenbildnern,
Musikpädagogen usw. Die Ausbildung hiezu erfolgt an Musikschulen,
Konservatorien, sowie an Hochschulen für Musik und darstellende Kunst
in Wien, Salzburg und Graz.
Musikwissenschaft,
Musikologie = Lehre von der Musik. Universitäten mit Instituten für
Musikwissenschaft sind in Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck eingerichtet.
1. Historische Musikwissenschaft:
Instrumentenkunde - beschäftigt
sich mit Bau, Spielweise und Geschichte der Instrumente;
Ikonographie (musikalische
Bildkunde) - deutet musikalische Darstellungen der Malerei und der bildenden
Kunst, z.B. von Instrumenten, Aufführungen usw.;
Aufführungspraxis -
versucht ein Bild von der musikalischen Wirklichkeit in der Geschichte
zu gewinnen (Zusammenhang zwischen Notentext und klanglicher Erscheinung);
Notationskunde - erforscht
Aufzeichnungsweise von Musik;
Quellenkunde - erschließt
Notentexte und sonstige Quellen zur Musikgeschichte;
Biographie - orientiert
über Leben und Schaffen der Musiker; sie war ein Hauptgebiet der Musikwissenschaft
im 19.Jh.;
Satzkunde - analysiert die
Struktur eines Werkes;
Terminologie - interpretiert
satzkundliche, gattungsgeschichtliche, stilkundliche und sonstige musikalische
Begriffe (lat. Terminus, -i = Fachausdruck);
Stilkunde - untersucht gattungsgeschichtliche
Merkmale, die über das Einzelwerk hinaus Gültigkeit haben und
den musikalischen Stil einer Gattung oder einer Epoche, eines Komponisten
oder einer Schule manifestieren;
2. Systematische Musikwissenschaft:
Musikalische Akustik - untersucht
die physikalischen Grundlagen der Musik, der Musikinstrumente, der Räume;
Physiologie - beschäftigt
sich mit Bau und Funktion des Gehörs und der Stimme;
Physiologie des Instrumentalspiels
- setzt sich mit Körperbewegung und Spieltechnik auseinander (Instrumentalpädagogik);
Musikpsychologie - befaßt
sich mit der Wirkung der Musik und des musikalischen Kunstwerkes auf den
Menschen;
Musiksoziologie - untersucht
Musik und musikalisches Verhalten in der Gemeinschaft;
Musikpädagogik - befaßt
sich mit Problemen der Musikerziehung, ihren Zielen und Methoden im privaten
und schulischen Bereich;
Musikphilosophie - stellt
an die Musik die Frage nach ihrem Wesen;
Musikästhetik - stellt
die Frage nach dem Schönen in der Musik;
Musikalische Volkskunde
oder Musikethnologie - untersucht die Musik im Brauchtum der Völker;
3. Angewandte Musikwissenschaft:
Instrumentenbau - restauriert
alte, entwickelt und baut neue Musikinstrumente;
Musiklehre - vermittelt
das theoretische Wissen um die Musik; Teilbereiche: Harmonielehre, Kontrapunkt,
Instrumentenlehre, Formenlehre u.a.;
Musikkritik - mißt
Aufführungspraxis und (neue) Werke an Qualitätsmaßstäben
der Ästhetik, der Stilkunde usw.
Musique
concrète, siehe
Musik des 20. Jh.s
Naturalismus,
von lat. naturalis = zur Natur gehörig, natürlich.
1. In der Philosophie Weltanschauung,
nach der alles aus der Natur und diese aus sich selbst erklärbar sei.
2. In der Kunst, besonders
in der Literatur, aber auch in der bildenden Kunst der 2.Hälfte des
19.Jh.s unmittelbar auf der Wirklichkeit basierender, "naturgetreu" abbildender
Stil. Es werden jedoch trotz sozialkritischer Ansätze keine über
die kopienhafte Abbildung von Wirklichkeit hinausgehenden tieferen Zusammenhänge
der Realität gezeigt. So werden etwa die Ausbeutung und das Elend
des Proletariats gegen Ende des 19.Jh.s geschildert, doch werden die im
Wirtschaftssystem begründeten Ursachen der Verelendung der Arbeiter
letztlich nicht völlig erkannt. Vertreter des literarischen N.: Emile
Zola, Gerhardt Hauptmann; in der bildenden Kunst: der österreichische
Bauernmaler Franz von Defregger.
Neoklassizismus,
siehe Musik des 20. Jahrhunderts
Neue
Einfachheit, siehe Musik
des 20. Jahrhunderts
Neue
Sachlichkeit, Verismus, Richtungen besonders der europäischen
Kunst nach 1920 mit starkem Wirklichkeitsbezug und gegenständlichen
Ausdrucksmitteln. Ähnlich wie bei einigen Künstlern des Expressionismus
läßt sich zu Beginn der 20er Jahre unseres Jahrhunderts auch
im Schaffen anderer deutscher Künstler eine Annäherung an die
gesellschaftliche Realität beobachten. Am weitesten ging darin eine
Gruppe von Malern, die man Veristen nennt. Die Schrecken des 1.Weltkrieges
und die gesellschaftlichen Verhältnisse der Nachkriegszeit bedeuteten
für sie eine Herausforderung. Die "Darstellungswürdigkeit" von
Arbeitslosen, Kriegskrüppeln und Prostituierten schockierte. Bekanntester
Vertreter des Verismus, von lat. veritas = Wahrheit, war Otto Dix. 1925
kam es zu einer Ausstellung nachexpressionistischer gegenständlicher
Malerei und Graphik, die die Prägung des Begriffs "Neue
Sachlichkeit" zur Folge hatte. Ihre Problematik war die Entfremdung
des Menschen in einer unmenschlichen Umwelt. Doch im Unterschied zu den
Veristen zeigten sie den Menschen losgelöst von konkreten sozialen
Bedingungen. Sie banden ihn hinein in eine allgemeine pessimistische oft
fatalistische Grundstimmung mit magischen oder surrealen Zügen.
Neue
Wilde, auch: Junge Wilde, Neue Malerei, Heftige Malerei.
Bezeichnung für eine
Richtung der Malerei seit etwa 1980 besonders in Italien, Deutschland auch
Österreich, die sich durch gegenständliche, stark gestisch -
expressive Farb- und Formensprache auszeichnet. Die Bezeichnung leitet
sich von den "klassischen" Fauvisten ab, als Kunsthändler und - Kritiker
dieses Attribut Bildern einer Gruppe von jüngeren deutschen Malern
in einer Berliner Galerie verliehen.
Œuvre,
von franz. Werk, Gesamtwerk eines Komponisten (Künstlers).
Oper,
siehe Vokalmusik
Operette,
siehe Vokalmusik
Opus,
lat. Werk, Mehrz. opera, Abkürzung op., Werk eines Komponisten, mit
einer (Opus)Zahl zur Bezeichnung der Reihenfolge versehen.
Oratorium,
siehe Vokalmusik
Orchester,
größeres Ensemble von Instrumentalisten mit chorischer Besetzung
der Stimmen (unisono oder divisi). Im Gegensatz dazu stehen die solistischen
Besetzungen der Kammermusik (Duo bis Dezimett). Die chorische Besetzung
bedingt Unterordnung des einzelnen Musikers bis zur Übernahme gleicher
Techniken (wie Stricharten usw.) zugunsten eines Ensemblegeistes, der wesentlich
vom Dirigenten geprägt wird. Nach der Besetzung unterscheidet man
Symphonie-, Kammer-, Streich-, Blas-, Blechblasorchester, nach den Aufgaben:
-Opern-, Kirchen-,
Unterhaltungs, Rundfunkorchester.
Das Operno. spielt im Gegensatz zur Konzertpraxis des Symphonieo.s nicht
auf dem Podium sondern sitzt aus Sichtgründen in einer Versenkung
vor der Bühne, im sog. Orchestergraben, der den Klang zugleich dämpft
und verschmelzen läßt.
Orchester
("orchestra") war im griechischen und römischen Altertum der Theaterspielplatz,
wo auch der Chor auftrat. Im Mittelalter fehlt der Begriff "Orchestra".
Später bezeichnet er den Platz, wo in der Oper die Instrumentalisten
sitzen. Erst im Laufe des 18.Jh. bezieht er sich auf das Spielerensemble
selbst.
Kapelle
("cappella") hießen im ausgehenden Mittelalter und in der Renaissance
die Vokalensembles (mit begleitenden Instrumenten). Mit dem Vordringen
einer selbständigen Instrumentalmusik
im 16./17.Jh. wurde cappella auch für das Instrumentalensemble gesetzt,
später allerdings auch in abwertender Bedeutung gegenüber Orchester.
Heute bedeutet a-cappella den Chorgesang ohne Begleitung von Instrumenten.
Im Mittelalter und
der Renaissance herrschte das solistische Spiel vor. Bläser überwiegten.
Die Besetzung war frei. Man spielte Vokalwerke. Erst in den "Sacrae Symphoniae"
(1597) weist Giovanni Gabrieli die Stimmen bestimmten Instrumenten zu.
Im Orchester des Barock
stehen sich zwei Gruppen gegenüber:
Fundamentinstrumente: Cello,
Fagott, Laute, Orgel, Cembalo usw., die den Generalbaß ausführen,
und die
Melodieinstrumente: Violine,
Flöte, Oboe usw., für die Oberstimmen.
Der Kapellmeister leitet
das Orchester vom Cembalo aus, die Besetzung variiert stark.
Das klassische Orchester
entwickelt sich in der zweiten Hälfte des 18.Jh.s in Mannheim und
Paris. Sein vom 4stimmigen Streichersatz und doppeltem Holz geprägter
Klang wurde bald zur Norm.
Im 19.Jh. wächst das
romantische Orchester stark an, vor allem im Bereich der Blechblasinstrumente.
Im 20.Jh. erweitert sich
vor allem die Gruppe der Schlaginstrumente und der Elektrophone. Dem Riesenorchester
treten aber auch kleine Gruppen entgegen. Z.B. die Kammersymphonie für
15 Spieler von Arnold Schönberg
Orchesterlied,
siehe Vokalmusik
Ornament,
von lat. ornamentum = Ausrüstung, Schmuck. Verzierung, Verzierungsmotiv.
O. ist die Bezeichnung für das einzelne motovische Schmuckwerk im
Unterschied zur Ornamentik als der Summe der Schmuckmotive. Die beiden
Hauptformen ornamentaler Gestaltung sind das geometrische O. und das vegetabilische
oder Pflanzen-O.
Ornamentik,
Sammelbegriff für die Ornamente eines bestimmten Stils, einer Kulturepoche,
eines bestimmten Bauwerks, eines Kunstgegenstandes. In der Musik die Lehre
und Ausführung der Verzierungen.
Pagode,
Drawidisches Wort, das über das Portugiesische nach Europa gekommen
ist. In Ostasien entwickelter quadratischer, vieleckiger oder runder turmartiger
Stockwerkbau innerhalb einer buddhistischen Tempel- oder Klosteranlage.
Ursprünglich Reliquienschrein. Symbol der übereinandergeschichteten
kosmischen Weltebenen.
Palast,
von lat. palatium = Palast, kaiserlicher Hof. Unbefestigtes, repräsentatives
Wohngebäude eines Herrschers oder Adeligen; im Unterschied zum Schloß
meist in der Stadt gelegen.
Paraphrase,
von griech. paraphrasis = erklärende Umschreibung.
1. Allgemein: Erklärende
Umschreibung eines Textes mit anderen bzw. mehr Worten.
2. In der Musik freie Umspielung,
Ausschmückung einer Melodie. Besonders in der Salonmusik des 19.Jh.s
sehr beliebt (z.B. Franz Liszt).
3. In der bildenden Kunst
freie bildnerische Umsetzung eines vorgegebenen Bildmotivs.
Particella,
ital. Teilchen, deutsch Particell, Entwurf zu einer Partitur, bei dem die
Instrumente in Gruppen (Notensystemen) zusammengefaßt sind.
Partita,
siehe Instrumentalmusik
Partitur,
ital. partitura, übersichtlich nach einzelnen Instrumenten und -gruppen
bzw. Gesangsstimmen geordnete Niederschrift von Musikwerken, sodaß
die gleichzeitig erklingenden Noten untereinander stehen, mit senkrecht
durchlaufenden oder nach Gruppen unterbrochenen Ordnungsstrichen (Taktstrichen)
verbunden.
Passacaglia,
siehe Instrumentalmusik
Passepartout,
franz., meist aus Karton geschnittene Umrahmung einer Zeichnung oder eines
druckgrafischen Blattes.
Passion,
siehe Vokalmusik
Pavillon,
um 1600 aus dem franz. pavillon = Zelt, Kriegs- und Schutzzelt entlehnt;
seit dem 18.Jh. gilt es im Sinne von "kleines Gartenhaus, Gartenlaube,
Festzelt". Kleiner vieleckiger oder runder, ganz oder teilweise offener
Profanbau, entweder freistehend oder als Teil eines größeren
Gebäudes, bes. eines Schlosses.
Performance,
engl., von lat. performare = umformen.
1. Allgemein: Handlung,
Ausführung, Erfüllung, Aufführung (Theater, Musik).
2. In der Psychologie Bezeichnung
für die Leistung einer Versuchsperson in einem Handlungstest.
3. In der zeitgenössischen
bildenden Kunst eine Form der Aktionskunst der 60er und 70er Jahre, bei
der Gestaltung und Aussage im Ablauf einer bis in die Einzelheiten geplanten
Handlungsabfolge gemacht werden.
Pietà,
von lat. pietas = Pflichtgefühl, Frömmigkeit, Gottesfurcht.
Marienklage. Plastische, seltener gemalte Darstellung der "Schmerzhaften
Muttergottes", die den toten Christus auf ihrem Schoß hält.
Plagiat,
lat., bewußte Verletzung des Urheberrechts,
indem fremdes Geistesgut als eigenes ausgegeben wird.
Plakat,
franz. placard = (Tür-, Wand-)Verkleidung, Anschlagzettel, Aushang.
Optisches Werbemittel. Öffentlich angebrachte bildliche und/oder schriftliche
Mitteilung im Dieste wirtschaftlicher, politischer oder kultureller Werbung
bzw. Propaganda.
Plastik,
von griech. plastikos = zum Bilden, Formen, Gestalten gehörig.
1. In der Medizin operativer
Ersatz von Gewebs- und Organteilen.
2. In der bildenden Kunst:
Bildhauerkunst. Neben Architektur, Malerei und Grafik die vierte der sog.
Grundkunstformen.
Pop
Art, von engl. pop = Stoß, Knall; seit den 60er Jahren
des 20.Jh.s im Sinne von popular = populär verwendet. Richtung der
modernen Kunst, die Ende 1950 in England und den USA unabhängig voneinander
entstand und sich in der Folge auf dem europäischen Kontinent ausbreitete.
Postserielle
Musik, siehe Musik des
20. Jahrhunderts.
Première,
erste Vorstellung einer Neuinszenierung oder Neueinstudierung. Vlg. auch
Uraufführung und Erstaufführung.
Primaballerina,
ital. "erste Tänzerin", erste Solotänzerin im Ballett. Bedeutungssteigerung:
Primaballerina assoluta = die absolut größte (bedeutendste)
P. ihrer Zeit.
Primadonna,
ital. "erste Dame", seit dem Ende des 17. Jh.s vor allem in der ital. Oper
die erste Sängerin, Vertreterin der Hauptrolle. Bedeutungssteigerung:
Primadonna assoluta = die absolut größte (bedeutendste) P. ihrer
Zeit, z.B. Maria Callas.
Profanbau,
von lat. profanus = vor dem heiligen Bezirk liegend, ungeheiligt, gemein,
ruchlos. Im Gegensatz zum Sakralbau jene Architektur, die nicht religiös
- kultischen Zwecken dient.
Prospekt,
Hintergrundvorhang der Kulissenbühne, täuscht Raumtiefe durch
perspektivische Bemalung vor. Siehe auch: Deus
ex machina, Drehbühne, Gasse,
Guckkastenbühne,
Kulisse,
Versenkung,
Vorhang.
Quattrocento,
ital. = 400 (Abk. für 1400), Bezeichnung für die Kunst des 15.Jh.s
in Italien (Frührenaissance).
Realismus,
von lat. res = Sache; über realis = sachlich, wesentlich.
1. In der Philosophie: weltanschaulicher
Standpunkt, nach dem die Außenwelt real, d.h. als unabhängig
von unserem Bewußtsein angenommen wird, zu deren Erkenntnis wir durch
Wahrnehmung und Denken kommen, ohne jedoch über eine nähere Bestimmung
derselben etwas aussagen zu wollen.
2. In der Kunst strebt der
R. "das tiefe Erfassen des Wesens der Erscheinungen" (Menschen, Ereignisse
usw.) an. Dabei wird darauf abgezielt, von einem humanistischen Standpunkt
aus mit sozialem Engagement über die einfache Wiedergabe des Vorgefundenen
hinaus (Naturalismus) Ursachen und Zusammenhänge der Wirklichkeit
sichtbar zu machen, indem diese in ihrer historisch-gesellschaftlichen
Bestimmtheit gezeigt und damit auch als veränderbar interpretiert
und für den Betrachter/Leser als solche einsichtig gemacht wird. Herausragende
Vertreter einer betont sozialkritsich-engagierten, politisch links ausgerichteten
Form realistischer Kunst waren zu Beginn des 20.Jh.s
bis zum Faschismus Käthe Kollwitz, George Grosz und Pablo Picasso.
Als Beispiele für österreichische Künstler müssen der
junge Oskar Kokoschka und in der Gegenwart Alfred Hrdlicka genannt werden.
Regisseur,
franz., Spielleiter, führt Regie bei der Inszenierung von Bühnenwerken,
Filmen, Hör- und Fernsehspielen.
Renaissance,
franz. Wiedergeburt. Epoche der materiellen und geistigen Kulturentwicklung
in den meisten Ländern West- und Mitteleuropas vom 14. bis zum 16.Jh..
Die Bezeichnung R. stammt aus dem 16.Jh. und ist gebräuchlich geworden,
obwohl sie die gesellschaftlich-wirtschaftlichen Wurzeln des Aufschwunges
dieses Zeitalters unberücksichtigt läßt und den Inhalt
der neuen Kultur auf die Wiederbelebung des antiken Erbes beschränkt.
Wichtigste Kennzeichen der
in Bewegung geratenen materiellen Basis der R. sind: der Übergang
von der mittelalterlich-feudalen zur neuzeitlich-kapitalistischen Wirtschaftsstruktur
durch:
Entstehung der modernen
Naturwissenschaft (heliozentrisches Weltsystem, Naturgesetze anstelle göttlicher
Weltlenkung),
Entdeckung und Ausweitung
neuer überseeischer Handelswege,
hohes Entwicklungsniveau
der Warenproduktion durch Entwicklung von Technik und Technologie,
Einführung der Geldwirtschaft,
städtische Kultur,
Entstehung neuer Gesellschaftsklassen: des Bürgertums und der Arbeiterklasse,
Entstehung von Nationalstaaten.
Das neue Menschenbild führte
auch zu einem neuen Künstlertypus: das Genie, das sich als schöpferische
Kraft in einer übergreifenden göttlichen Ordnung erlebt.
In der Philosophie richtete
man sich gegen die mittelalterliche Scholastik und Theologie; es entwickelte
sich die Auffassung vom unendlichen, sich nach eigenen Gesetzen bewegenden
Weltall (Giordano Bruno, Galileo Galilei).
In der Literatur wendete
man sich inhaltlich dem Diesseits zu; die Werke zeigen realistische, lebensfrohe
Züge in den verschiedensten formalen Ausprägungen, und man schrieb
in den nationalen Sprachen. Francesco Petrarca und Giovanni Boccaccio in
Italien, Francois Rabelais in Frankreich, Miguel de Cervantes in Spanien
und William Shakespeare in England.
In der Baukunst führt
die Orientierung an der Antike zu einer neuen Einfachheit der Linie, der
Form und der Proportionen (Bramantet, Michelangelo).
In der Malerei werden Natürlichkeit
angestrebt, die Perspektive ausgebildet und der Mensch ins Bild gerückt
(Michelangelo, Raffael, Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer, Gebrüder
van Eyck, Pieter Breughel).
In der Plastik schafft man
die freistehende Gestalt (Donatello).
Die Musik des 15./16.Jh.s
fand zur Orientierung an der Antike zwar keine Originale vor wie andere
Künste, doch lassen sich Renaissanceelemente auch in ihr aufzeigen.
Sie führen gegenüber dem Mittelalter zu einer Vermenschlichung
der Musik.
Der Mischklang der Spätgotik
weicht dem Vollklang der R. in der niederländischen Vokalpolyphonie;
die Linie entwickelt durch
polyphone Schichtung den Akkord;
die statischen Quint-Oktavklänge
werden von weichen Terzen und Sexten überflutet;
die funktionale Dreiklangharmonik
bereitet sich vor;
die einfache, vom menschlichen
Atem gegliederte Melodie wird zum Ideal;
neu ist die Forderung nach
Natürlichkeit in der Musik; die Musik soll die Natur nachahmen, indem
sie als Vokalmusik den Text nachahmt, d.h. dessen
Afekt- und Ausdrucksgehalt wiedergibt.
Das 15. und 16.Jh. zeigen
eine durchgehende Entwicklung in Haltung und Kompositionstechnik. Mittelpunkt
ist die mehrstimmige Vokalmusik. Der Höhepunkt wird mit Orlando di
Lasso und G.P.da Palestrina erreicht. Die Instrumentalmusik
entwickelt gleichsam als Gegengewicht zur vorherrschenden Vokalmusik eine
erste Selbständigkeit. Das Zentrum des Schaffens verlagert sich von
Frankreich über den franko-flämischen Raum und das burgundische
Stammland nach Italien, das im 16.Jh. die Führung übernimmt.
Repertoire,
franz., Gesamtheit der Bühnenwerke, die das Ensemble eines Theaters
spielen kann; auch alle Rollen, die ein Sänger, ein Schauspieler einstudiert
hat, alle Werke, die ein Orchester, ein Solist
beherrscht.
Reprint,
engl., Nachdruck.
Reproduktion,
von lat. re- = Vorsilbe mit der Bedeutung "zurück, wieder", und lat.
productio = das Hervorführen. In der Drucktechnik die Nachbildung
und Vervielfältigung von Schrift und Bild mittels fotografischer,
fotomechanischer oder menueller Verfahren.
Requiem,
siehe Vokalmusik
Requisiten,
kleine Teile der Dekoration oder Gegenstände, der der Darsteller für
sein Spiel benötigt.
Restaurierung,
von lat. retaurare = wiederherstellen. Wiederherstellung von Werken der
bildenden Kunst einschließlich der Architektur und von kulturhistorisch
interessanten und wertvollen Gegenständen.
Rezitativ,
siehe Vokalmusik
Rokoko,
von franz. rocaille = Grotten, Werk aus Muscheln. Stilrichtung der europäischen
Kunst von etwa 1720-70. Aus dem Barock hervorgegangen,
dessen leidenschaftlicher Bewegungsstil in eine heiter-liebenswürdige
Dekorationskunst verwandelt wurde. Die Eleganz des R. entfaltete sich vor
allem in asymmetrisch architektonischen und kunstgewerblichen Schmuckformen.
Das R. trat zuerst in Frankreich auf, wo als Träger des neuen Stilempfindens
nicht mehr der absolutistische Herrscher fungierte, sondern die ganze aristokratische
Gesellschaft. Diese forderte im Bereich der bildenden Kunst nicht mehr
überdimensionale Repräsentation, sondern die Intimität des
Innenraumes, der mit einem lockeren Schmuckwerk überzogen wurde. Die
Rocaille in ihren schlängelnden, wellenförmigen Bewegungen wurde
zum Grundmotiv der Dekoration.
In der Literatur wurde die
"Grazie" zum obersten Prinzip erkoren. Man propagierte ein neues Lebensgefühl,
das in heiterer Lebensfreude und verfeinertem Sinnengenuß Leben und
Kunst harmonisch zu verbinden versucht. Die wichtigsten Themen der Lyrik,
des Dramolettes, des Singspiels, der Idylle sind Lieben, Trinken, Singen,
Geselligkeit, Natur.
In der Musik bildete das
R. gleichfalls in verspielten Kleinformen den Übergang vom Barock
zur Wiener Klassik.
Romanik,
von romanice = auf romanische Art. Der Begriff R. wurde um 1820 geprägt,
zunächst nur für die Baukunst, da in dieser Elemente der römischen
Baukunst (Rundbogen, Säule, Steingewölbe) benutzt werden. Erster
umfassender europäischer Kunststil, 11. bis Anfang des 13.Jh.s. Vorstufen:
Karolingische Kunst und Ottonische Kunst.
In der Architektur
manifestiert sich der Stil der R. am reinsten, als ein geschlossenes Weltbild,
das in tiefer Religiosität wurzelt. Die wesentlichsten Merkmale: Weiterentwicklung
der frühchristlichen Basilika mit Lang- und Querhaus; plastisch-körperhafte
Gliederung; schwerer, meist horizontal gelagerter Massenbau, zusammengesetzt
aus stereometrischen Formen (Kubus, Kegel, Zylinder); maßvolle Unterordnung
der einzelnen Teile zueinander; große Wandstärken, bedingt durch
Zweckmäßigkeit (Verteidigung) und Konstruktion (Aufnahme des
Gewölbeschubes); Rundbogen; das aus einer Summierung gebildete Tonnengewölbe;
das aus der Durchdringung zweier Tonnengewölbe entstehende Kreuzgewölbe;
dieses bedingt das Quadrat als Grundrißelement; Gliederung der Innenwände
durch Säulen und Pfeiler; Emporen (Galerien) über den Seitenschiffen
oder dem Westteil des Kirchenraumes; mächtige, gedrungene Türme,
schießschartenähnliche Fenster; ernste, feierlich-monumentale
Wirkung.
Die Plastik bleibt im wesentlichen
im Verband der Architektur. Sie schmückt die Pforten und Kapitelle.
Die Malerei der R. ist im
wesentlichen auf die Wand- und Buchmalerei beschränkt.
In der Musik des Mittelalters
fällt zeitlich etwa mit der Romanik die küstlerische Entwicklung
des Gregorianischen Chorals zusammen. Die Bezeichnung geht auf Papst Gregor
I. zurück, der um 600 eine umfassende Sammlung, Vereinfachung und
Vereinheitlichung der liturgischen Gesänge durchführte. Der Gregorianische
Choral ist die erste große musikalisch-künstlerische Leistung
des Christentums und zugleich die älteste, bis heute lebendig gebliebene
Kunstform des Abendlandes. Komponisten aller Jahrhunderte haben sich immer
wieder mit den gregorianischen Gesängen auseinandergesetzt und aus
diesem geschöpft. Besondere Bedeutung hat für das geistliche
volkstümliche Lied, den Minnegesang, die Entwicklung der mehrstimmigen
Kunstmusik, die Ausbildung der Cantus-firmus-Technik, das deutsche Kirchenlied
der Reformationszeit, die Kirchenmusik des 19.Jh.s, Kompositionen des 20.Jh.s.
Die zentrale Gattung der Gregorianik ist die Messe.
Um das Jahr 1000 tritt an
die Stelle des hochgeehrten germanischen Heldensängers der Spielmann.
Die Spielleute - die Unterhaltungsmusiker ihrer Zeit - machten weite Reisen
durch ganz Europa und waren Instrumentalisten, Spaßmacher, Gaukler
und Sänger in einer Person. Das Instrumentarium der Spielleute war
reichhaltig. Als Entgelt gab es vor allem Essen und Trinken, an Höfen
auch abgelegte Kleider.
Eine andere Gruppe von fahrenden
Sängern sind die Vaganten (von lat. = umherschweifen). Diese fahrenden
"ewigen" Studenten (oft auch heruntergekommene Kleriker) ragen durch ihre
"Halbbildung" aus der Masse heraus. Ihre meist anonymen Dichtungen sind
in lateinischer oder in einer deutsch-lateinischen Mischsprache abgefaßt;
Liebe und Umtrunk bilden die Hauptthemen. Die bedeutendste Sammlung von
welticher Lyrik des Mittelalters sind die Carmina burana, wahrscheinlich
am Hofe des Bischofs von Seckau im 13.Jh. entstanden, 1803 im bayerischen
Kloster Benediktbeuren entdeckt.
Die weltliche Lyrik des
Mittelsalters begann im letzten Drittel des 11.Jh.s mit den Troubadours
in Südfrankreich; im 13.Jh. wird der Troubadourgesang der Provance
von der Kunst der Trouvères in Nordfrankreich abgelöst.
Um die Mitte des 12.Jh.s
setzt die mittelhochdeutsche Lyrik ein, die wegen ihrer vorherrschenden
Liebesthematik Minnegesang genannt wird. Die Verehrung der "Herrin", der
meist verheirateten adeligen Frau, steht im Mittelpunkt der Dichtung. Bedeutende
Minnesänger sind: Dietmar von Aist, Hartmann von Aue, Wolfram von
Eschenbach, Neidhart von Reuenthal, Walther von der Vogelweide, Oswald
von Wolkenstein und Ulrich von Liechtenstein.
Mit dem Niedergang des Rittertums
und dem Erstarken der Städte im 14.Jh. wird der Minnegesang vom bürgerlichen
Meistergesang abgelöst. Der bedeutendste Meistersinger war Hans Sachs
(1494-1576).
Romantik,
von franz. romantique = dem Geist der mittelalterlichen Ritterdichtung
gemäß, romanhaft. Geistige Bewegung in der ersten Hälfte
des 19.Jh.s, die alle Bereiche der Kultur (bildende
Kunst, Literatur, Musik, Wissenschaft) zu umfassen suchte und in Deutschland
ihre stärkste Ausprägung fand. Gegenwirkung zur nüchternen
Aufklärung und Abkehr von den strengen Formen der Klassik.
Die R. war Ausdruck
des Unbehagens und der Kritik der Künstler an der Kulturfeindlichkeit
des beginnenden Hochkapitalismus. Die R. betonte Gefühl und Phantasie,
das Volkstümliche und Nationale, setzte sich für religiöse
Ideale ein und erging sich oft in mystischer Schwärmerei. Man sammelte
Märchen und Sagen (Brüder Grimm) und legte große Volksliedersammlungen
an (z.B. "Des Knaben Wunderhorn").
In der Architektur führte
die R. zu einer Wiederentdeckung der Gotik (Neogotik),
zur Vollendung und Wiederherstellung vieler Burgen und Kirchen. Englische
Landschaftsgärten wurden angelegt, in die sich Bauten naturverbunden,
"romantisch" einfügten.
In der Malerei zeigten stimmungsvolle
Landschaften oft den Menschen in inniger Verbundenheit mit der Natur (bes.
Caspar David Friedrich).
In der Musik gilt das 19.Jh.
als das Jh. der Romantik. Zwischen der Spätklassik und den Anfängen
der Neuen Musik entfaltete sich in dieser Epoche ein fast unübersehbarer
Reichtum an musikalischen Stilerscheinungen. Schon im Werk Beethovens lassen
sich viele romantische Aspekte erkennen. Beethoven bleibt für das
ganze 19.Jh. eine prägende und vorbildliche Gestalt. In der R. zieht
ein neues poetisches, metaphysisches Element in die Musik ein, und es kommt
zu einer Verschiebung des Gleichgewichts zwischen Idee und Erscheinung,
zwischen Verstand und Gefühl: Ich-Ausdruck, Subjektivismus und Emotion
dominieren, und ein dem positivistischen Zeitgeist des 19.Jh.s entsprechendes
dynamisches Prinzip bringt alle Mittel zum Wachsen: Strukturen, Gestalten,
Spieltechnik, Klang der Instrumente und des Orchesters.
Frühromantik 1800-30:
E.T.A.Hoffmann, Undine (1816); C.M.v.Weber, Freischütz (1821); Franz
Schubert.
Hochromantik (1830-50):
Hector Berlioz, Symphonie fantastique (1830; Franz Liszt; Nicolo Paganini;
Robert Schumann; Frèdèric Chopin; Felix Mendelssohn-Bartholdy;
Richard Wagner (romantische Opern); Giuseppe Verdi; Giacomo Meyerbeer.
Spätromantik (1850-90):
R.Wagner (Musikdrama); G.Verdi (Opern der Reifezeit); Johannes Brahms;
Anton Bruckner; Hugo Wolf.
Jahrhundertwende (1890-1914):
Giacomo Puccini; Gustav Mahler; Claude Debussy; Richard Strauss; Arnold
Schönberg.
Sakralbau,
von lat. sacer = heilig, geweiht. Bauten, die im Gegensatz zum Profanbau
religiös-kultischen Zwecken dienen (Dome, Moscheen, Pagoden, Synagogen
usw.).
Salonorchester,
aus dem 19.Jh. sind bis heute in Kaffeehäusern und Kurorten zu finden.
Zur Zeit des Stummfilms waren sie auch in den Kinos vertreten. Der Besetzung
liegt das Klaviertrio (Violine, Violoncello, Klavier) zugrunde, dazu kamen
ein 2. Stehgeiger, Viola, Schlagzeug, Bläser, je nach Art , ob Wiener
oder Pariser Besetzung.
Sarkophag,
griech. “Fleischfresser”, ein aus Stein, Ton oder Metall gefertiger, oft
kunstvoll geschmückter Sarg. Die alten Griechen begruben ihre Toten
meist in schlichten Sarkophagen. Erst seit dem 4. Jh. v. Chr. wurde die
Ausgestaltung mit Reliefs (Alexander-Sarkophag) oder Malereien (Paestum)
häufiger. Die Etrusker benutzten oft Sarkophage, deren Deckel eine
plastische Nachbildung des Toten und deren Wände Reliefs tragen, die
Szenen aus der Unterwelt oder symbolhaft aufzufassende, mythologische Bilder
enthalten. Von den Etruskern übernahmen die Römer den bei ihnen
seit dem 2. Jh. n. Chr. üblichen Sarkophagtypus. Darstellungen aus
dem täglichen Leben und zahllose mythologische Themen, die vielfach
auch symbolisch auf den Toten und den Tod Bezug nehmen, schmücken
in unterschiedlichster Art die Außenseiten. Später wurden die
Sarkophage mit christlichen Symbolen versehen. Eine eigene Stellung nehmen
die Sarkophage in Ravenna ein, die überwiegend im 5. und 6. Jh. n.
Chr. entstanden sind. Siehe auch: Epitaph, Grabmal,
Sepulcrum,
Totenmaske.
Schlager,
nennt man ab der Mitte des 19.Jh.s beliebte Melodien aus Oper und Operette,
später auch Neuanfertigungen. Durch die Medien der Konsumgesellschaft,
bes. die Schallplatte und den Rundfunk, wurde der Schlager zur musikalischen
Ware mit hohen Umsätzen. An der rational und professionell organisierten
Schlagerproduktion arbeiten mit: Texter, Komponist, Arrangeur, Sänger,
Spieler, Aufnahmeteam, Designer, Marktstrategen, bis hin zum Disjockey
und Showmaster. Der Schlager appelliert an einfachste Hörgewohnheiten
und Gefühle. Selten originell, liegt er immer im Modetrend, den er
z.T. auch selbst steuert.
Schloß,
von althochdeutsch, mittelhochdeutsch sloz = (Tür) Verschluß,
Riegel; seit dem 13.Jh. auch feste Burg, Kastell.
1.Vorrichtung zum Herstellen
einer festen, jedoch lösbaren Verbindung (Verriegelung) zwischen einem
festen und einem beweglichen Teil, besonders für Türen.
2. Teil der Handfeuerwaffe,
in dem die Patronenzuführung, das Abfassen und das Auswerfen der Hülse
erfolgen.
3. In der Kunst: Wohnbau
der Hocharistokratie von besonders großzügiger und repräsentativer
Gestaltung; im Unterschied zum Palast meist in freier Lage und mit Garten
oder Park; im Gegensatz zur Burg meist unbefestigt.
Secession,
von lat. secessio = das Abseitsgehen, die Trennung.
1. Im Völkerrecht die
Herauslösung eines Staatenteils aus einem Einheitsstaat oder einer
Staatenverbindung.
2. Ende des 19.Jh.s häufig
der Name für oppositionelle Künstlervereinigungen, die mit den
erstarrten akademischen Programmen der herrschenden Gruppen nicht einverstanden
waren und sich von diesen trennten. Gründung von "Secessionen" 1892
in München, 1897 in Wien in Berlin. Wahlspruch der Wiener Secession:
"Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit."
Seicento,
ital. = 600 (Abk. für 1600), Bezeichnung für die Kunst des 17.Jh.s
in Italien.
Sepulcrum,
das, Mz. sepulcra, lat. Grabstätte. Siehe auch: Epitaph,
Grabmal,
Sarkophag,
Totenmaske.
Serenade,
siehe Instrumentalmusik
Serielle
Musik, siehe Musik des
20. Jahrhunderts
Signatur,
von lat. signum = Zeichen.
1. Im Bibliothekswesen eine
Standortnummer des Buches innerhalb einer Sammlung. Meist ist diese am
Buchrücken oder an der Innenseite des Deckels angebracht.
2. In der bildenden Kunst
die volle oder abgekürzte, auch verschlüsselte, offen oder versteckt
angebrachte Urheberangabe eines Künstlers an seinem Werk.
Skizze,
von ital. schizzo = ursprünglich Spritzen, Spritzer; Spritzer mit
der Feder; Entwurf, Skizze.
1. Aus der Kunst- in die
Literaturwissenschaft übernommene Bezeichnung für den ersten
Entwurf, das vorläufige Handlungsgerüst; auch eine kleine eigenständige
Erzählung, die jedoch bewußt bruchstückhaft - unvollendet
gehalten ist.
2. In der bildenden Kunst
flüchtiger, zusammenfassender Entwurf eines Bildes, eines Bauwerkes
oder einer Plastik; jede flüchtige Zeichnung , die einen Natureindruck
festhalten soll.
3. In der Musik lose und
nicht zusammenhängende Niederschrift von Motiven, Themen usw. als
Entwurf für eine Komposition. Vorstufe zum Particell und zur Partitur.
Soirée,
von franz. soir = Abend, Abendveranstaltung im Gegensatz zur Matinée.
Sonate,
siehe Instrumentalmusik
Sonatine,
siehe Instrumentalmusik
Soubrette,
franz. "Kammerzofe", die muntere Liebhaberin (vorwiegend Koloratursängerin)
in Spieloper und Operette.
Souffleur,
franz. "Einbläser", weibl. Souffleuse, Position im Theater (meist
eine Frau), die den Text mitspricht und den Darstellern, falls nötig,
weiterhilft (souffliert). Der S. (die S.) sitzt für das Publikum unsichtbar
im S.kasten an der Bühnenrampe.
Stagione,
ital. Jahreszeit, Saison, insbesondere die Spielzeit der italienischen
Operntheater; auch der ital. Opernensembles, die für einen zeitlich
begrenzten Spielplan zusammengestellt werden. Der St.-Betrieb ist auch
im 19. und 20.Jh. für das ital. Operntheater kennzeichnend, ebenso
für jenes in Spanien, Portugal und den USA.
Standing
Ovations, siehe Applaus
Statue,
von lat. stare = stehen, im 17./18.Jh. aus lat. statua = Standbild, Bildsäule
entlehnt. Standbild. Vollplastische Darstellung einer menschlichen oder
tierischen Gestalt. Wie das Bild durch den Rahmen, so ist die S. in der
Regel durch einen Sockel oder ein Postament, in der Gotik
auch durch ein Gehäuse (Tabernakel) gegen ihre Umgebung optisch abgesetzt.
Stele,
griech., frei aufrechtstehende hohe Platte aus Stein, seltener aus
Metall oder Holz, mit Inschriften und Reliefs; diente als Grabmal, Weihestein,
Urkundenstein, Grenzstein, Siegsdenkmal, Kultobjekt u.a.
Stil,
von lat. stilus = Stiel, Griffel, Schreibart. Die besondere Art und Weise
jeder künstlerischen Darstellung; bezeichnet die Einheit der Formen,
die in einem Kunstwerk zum Ausdruck kommt. Man unterscheidet: Personalstil
(individuelle Darstellungsweise eines Künstlers), Zeitstil (überindividuelle
Charakteristika einer Epoche, z.B. Romanik, Gotik)
und Lokalstil (Charakteristika einer lokalen Region). Siehe auch (in chronologischer
Abfolge) Romanik, Gotik, Ars
antiqua, Ars Nova, Renaissance,
Barock,
Rokoko,
Klassik,
Biedermeier,
Romantik,
Historismus,
Jugendstil,
Impressionismus,
Expressionismus,
Musik
des 20. Jahrhunderts, Jazz; weiters siehe Trecento,
Quattrocento,
Cinquecento,
Seicento.
Stilleben,
Darstellung geordneter toter oder regungsloser ("stiller") Dinge in Malerei
und Grafik, in einer vom Künstler geschaffenen (also nicht "natürlichen")
Anordnung.
Suite,
siehe Instrumentalmusik
Sujet,
franz., Gegenstand, Stoff, Aufgabe einer künstlerischen Darstellung,
z.B. einer Dichtung, einer Oper.
Surrealismus,
franz. "Überrealismus", Bezeichnung für eine nach 1918 in Paris
entstandene Kunstrichtung, bei der die bildnerische Wiedergabe der Wirklichkeit
aus dem Unterbewußtstein und dem Irrationalen kommt. 1924 Manifest
des Surrealismus von André Breton. Wichtige Vertreter des S.: Salvador
Dali, Max Ernst, Joan Miro, z.T. Pablo Picasso.
Symphonie,
siehe Instrumentalmusik
Synagoge,
von griech. synagoge = zusammenkommen. Eigentlich die Volksversammlung,
dann das Versammlungsgebäude der jüdischen Glaubensgemeinschaft.
Für die orthodoxen Juden, die täglich um die Wiedererrichtung
des Tempels in messianischer Zeit beten, ist die S. auch heute nur eine
"Zwischenlösung" (weshalb sich z.B. in einer S. kein siebenarmiger
Leuchter befinden sollte); für das liberale Judentum, das die Hoffnung
auf eine Wiedererrichtung des Jerusalemer Tempels aufgegeben hat, ist die
S. ein gültiger Tempelersatz, und deshalb gelten auch S. und Tempel
als gleichbedeutende Begriffe.
Tantiemen,
prozentuale Beteiligung von Komponisten, Autoren, Künstlern an den
Aufführungsgebühren (Einnahmen). Siehe Urheberrecht
Tempel,
von lat. templum = ursprünglich vom Augur zur Beobachtung und Deutung
des Vogelfluges mit dem Stab am Himmel und auf der Erde abgegrenzter Beobachtungsraum;
geweihter, heiliger Raum, Weihestätte; Heiligtum; Haus für einen
Gott, Stätte des Kults. Anfänglich ein abgegrenzter Platz, in
dessen Mitte sich der Opferstein befand, auf dem die Priester dem Gott
Opfer darbrachten; auch Offenbarungsstätte von Gottheiten. In der
Regel Mittelpunkt eines abgeschlossenen sakralen Bezirks, meist nur von
Priestern zu betreten.
Terminologie,
lat., die Gesamtheit der Fachausdrücke einer Wissenschaft oder einer
Sparte.
Terminus,
von lat. terminus = Grenzstein, Grenze, Schranke. Bezeichnung, der festgelegte
(wissenschaftliche) Fachausdruck.
Timbre,
franz., die besondere Klangfarbe eine Stimme (eines Instruments), das unverlierbar
Persönliche, Eigenartige, Unnachahmliche. Physikalisch gesehen ergibt
sich das T. aus der Zusammensetzung der Obertöne.
Torso,
von ital. torso = Fruchtkern, Strunk.
1. Plastisches Werk, das
im Laufe der Zeit Schäden erlitten hat oder durch den Tod des Künstlers
unvollendet blieb.
2. Gewollte "Unfertigkeit"
einer Plastik, um die Aussagekraft der ausgeführten Stellen noch zu
steigern.
3. In der Musik im übertragenen
Sinn eine unvollendet gebliebene oder bewußt unvollendet belassene
Komposition.
Totenmaske,
meist unmittelbar nach dem Tod eines Menschen abgenommene, aus Gips oder
Wachs bestehende Gesichtsmaske, die die Züge des Verstorbenen wiedergibt.
Siehe auch: Epitaph, Grabmal,
Sarkophag,
Sepulcrum.
Transkription,
lat., Umschreibung, Übertragung, z.B. für eine andere instrumentale
oder vokale Besetzung.
Trecento,
ital. = 300 (Abk. für 1300), Bezeichnung für das vorwiegend gotische
14.Jh. in der Kunst Italiens.
Triptychon,
von griech. tri = drei bzw. dreimal, und griech. ptychos = Falte, Schicht.
1. Im Altertum eine aus
drei Teilen bestehende zusammenlegbare Schreibtafel.
2. In der bildenden Kunst
ein dreiteiliges (Altar-)Bild, bestehend aus dem Mittelbild und zwei Seitenflügeln.
3. In der Musik (im übertragenen
Sinn) ein Operndreiteiler. Z.B. I l trittico von Giacomo Puccini, bestehend
aus drei Operneinaktern; Der Mantel, Schwester Angelica, Gianni Schicchi.
Unterhaltungsmusik.
Der Begriff U. (light music) entstand gegen Ende des 19.Jh.s und
ist verknüpft mit der Produktion von leichter Musik als Ware in der
modernen Massengesellschaft, käuflich auf Schallplatten und verbreitet
durch den Rundfunk. Das unterscheidet die U-Musik wesentlich von unterhaltender
Musik früher. Ein heiteres Quodlibet wurde gesungen, ein Divertimento
(vgl. Instrumentalmusik) gespielt. Stets entstanden menschliche Beziehungen
und Aktivität. Außer im Tanz zielt fast alle moderne U-Musik
auf Zerstreuung und Passivität des Hörers.
Die Einteilung in U- und
E-Musik hat sich bei aller Problematik und Überschneidung eingebürgert.
Uraufführung,
allererste Aufführung eines musikalischen Werkes im Gegensatz zur
(regionalen Erstaufführung und zur Première.
Urheberrecht.
Zur Wahrung des U. gibt es in allen Ländern nationale Verwertungsgesellschaften,
in Österreich die AKM, in Deutschland die GEMA, für Oper und
Konzert, Druck und sog. mechanische Rechte bei Tonträgern (Schallplatte,
Cassette, CD usw.). Die Musikverbraucher zahlen Gebühren an die Verwertungsgesellschaften,
die nach Punkten an die Produzenten (Komponisten, Texter usw.) verteilt
werden (Tantiemen). Das meiste Geld bringt die U-Musik. Die Punktezahl
richtet sich nach Gattung und Länge.
Variation,
siehe Instrumentalmusik
Vedute,
von lat. videre bzw. ital. vedere = sehen. Zeichnung, Stich oder Gemälde
eines Gebäudes in der Landschaft oder einer Stadt in möglichst
sachgetreuer Wiedergabe. Der Bildtypus entwickelte sich im 17.Jh. zu einer
Selbständigkeit und erlebte durch die venezianischen Maler, welche
im 18.Jh. die Fürstenhöfe Europas bereisten, seine größte
Blüte (z.B. Canaletto).
Verismo,
von ital. vero = wahr. Der in der Literatur aufkommende Realismus und Naturalismus
führten in der Musik Italiens gegen Ende des 19.Jh.s zur Ausprägung
dieses Opernstils. Ziel ist eine realistische Darstellung der Welt ohne
romantische Illusion oder Idealisierung, mit der inzwischen dringend notwendigen
Sozialkritik. Die Handlung, oft in einfachsten Schichten spielend, zeigt
sich leidenschaftlich, kraß, zuweilen brutal mit Mord, Blut und Entsetzen,
um zu erschüttern. Z.B. Pietro Mascagni, Cavalleria rusticana; Ruggiero
Leoncavallo, Der Bajazzo; Giacomo Puccini, La Bohème). Vgl. Vokalmusik,
Abschnitt Oper.
Verismus,
siehe Neue Sachlichkeit
Vernissage,
von franz. = eigentlich Lackierung. Eröffnung einer Kunstausstellung.
Versenkung,
Teil des Bühnenbodens, der durch eine Vorrichtung in der Unterbühne
gesenkt oder hochgefahren werden kann. Beliebter Effekt für das Erscheinen
von Geistern und Teufeln. Siehe auch: Deus ex
machina, Drehbühne, Gasse,
Guckkastenbühne,
Kulisse,
Prospekt,
Vorhang.
Villa,
von lat. villa = Landhaus. In der römischen Antike das zum Landgut
gehörende Wohnhaus, später Sommerhaus, oft am Meer gelegen und
von Gärten umgeben. Wiederaufnahme der antiken V. in der ital. Renaissance.
In der sog. Gründerzeit der 2. Hälfte des 19.Jh.s stellen die
von Gärten umgebenen Villenbauten der Fabriksbesitzer, des Bank- und
Handelskapitals den Ausdruck und das Abbild der Stadtflucht dar. Eine moderne
Sonderform der V. ist das Penthouse, eine speziell in den Großstädten
der USA verbreitete "Stadtvilla" auf dem Dach eines Hochhauses.
Vokalmusik,
von lat. vox = Singstimme, Gegensatz zur Instrumentalmusik. Die Geschichte
der abendländischen V. beginnt mit vorchristlichen Weisen, von denen
sich Spuren im Kinderlied erhalten haben. Der Gregorianische Choral ist
reine V. geblieben. Die Blüte der V. lag zeitlich rund 200 Jahre vor
der Instrumentalmusik, die sich mit der V. entwickelte und sich allmählich
von ihr löste. Stärker als bei der Instrumentalmusik,
unterscheidet man bei der V. in kirchlich und weltlich. Die V. ist in ihren
Formen und Gattungen in weitgehendem Maße von der Anzahl der Stimmen
und der Gestalt des Textes abhängig.
Gattungen
und Formen der V.:
DasRezitativ
(ital. Sprechgesang); man unterscheidet zwei Arten:
a) das Secco - Rezitativ
(von ital. secco = trocken), bei dem der Sänger einen Prosatext syllabisch
(silbenmäßig) deklamiert, nur von "trockenen" Cembalo- oder
Streicherakkorden unterstützt. Es beginnt in der Regel immer mit einem
Sextakkord und schließt mit einem Ganz- oder Halbschluß.
b) das Accompagnato, das
vom Orchester begleitete Rezitativ mit thematischen
Zwischenspielen.
Das Melodram,
(griech.), ist eine Kunstform, die Musik und gesprochenes Wort verbindet.
Schon die Griechen bedienten sich in ihrem Drama dieser Möglichkeit.
Am Beginn des 19.Jh.s wurde das M. eine beliebte Form, am stärksten
wirkend, wenn es nur in spannende Szenen eingestreut wird (z.B. Beethoven,
Fidelio, Kerkerszene; C.M:v.Weber, Freischütz, Wolfsschluchtszene).
R.Schumann schrieb seinen "Manfred " zunächst als M.. Am Anfang des
20.Jh. entstanden das "Hexenlied" von Max von Schillings und "Enoch Arden"
von R.Strauss. Das M. ist eine zweispältige Gattung; der Versuch,
eine ergiebigere Verschmelzung von Sprache und Musik zu finden hat zum
Rezitativ geführt. Einen anderen Weg ging A.Schönberg, indem
er das Sprechen auf genaue Tonhöhe und Tondauer festlegte (z.B. in
seinem "Pierrot lunaire"). Für Ida Rubinstein, die in den zwanziger
Jahren eine Verbindung zwischen Sprache und Tanz anstrebte, schrieben Artur
Honegger "Johanna auf dem Scheiterhaufen" und Igor Strawinsky "Persephone".
Die Arie
ist ein vom Orchester begleiteter längerer
Sologesang in der Oper und im Oratorium. Die barocke Da-capo-Arie (um 1700)
hatte die Form A-B-A, benannt nach dem Vermerk "Da Capo" am Ende des Teiles
B, da der letzte Teil (A) meist nicht mehr ausgeschrieben wurde. Die klassische
Arie nähert sich manchmal der Sonaten- oder Rondoform; die romantische
Arie ist oft dreiteilig (Accompagnato-Adagio-Allegro). Meist ohne Rezitativ
ist die aus der Da-capo-Arie entstandene 1-2 teilige Kavatine.
Beim Lied
unterscheiden wir zwischen Volkslied und Kunstlied. Das Volkslied ist ein
einfaches, leicht faßliches Lied, das sich durch lange Zeit, von
Mund zu Mund verbreitet, im Volke lebendig erhalten hat. Meist ist unbekannt,
wer Text und Melodie geschaffen hat. Das Volkslied ist stets ein Strophenlied.
Das Kunstlied ist oft ein variiertes Strophenlied oder ein durchkomponiertes
Lied, in welchem jede Strophe ihrem Inhalt nach sowohl in der Solostimme
als auch in der Begleitung ausgedeutet wird. Eine Erweiterung bedeuten
das vom Orchester begleitete Orchesterlied (Hugo Wolf, Richard Strauss)
und das symphonische Lied (z.B. Gustav Mahler, Das Lied von der Erde).
Die wichtigsten mehrstimmigen
Vokalformen sind das alte weltliche Chorlied, das Madrigal, sowie der vielstimmige
religiöse Chor, die Motette.
Die Kantate
(von lat. Singstück) ist ein größeres Chorwerk, vorwiegend
lyrischen Inhalts, für Gesang, Chor und Instrumentalbegleitung, welches
in der Regel mehrere Sätze (Rezitative, Arien, Chöre, Instrumentalritornelle)
umfaßt.
Das Oratorium
ist im allgemeinen ein abendfüllendes, meist geistliches Werk für
Soli, Chor und Orchester in nichtszenischer, d.h. konzertanter Aufführung.
Die Bezeichnung leitet sich vom lat. Oratorium = Betsaal ab, in dem man
Bibellesungen und andächtige Betrachtungen mit geistlichen Liedern
(Lauden) abhielt. Ihm liegt eine Handlung zugrunde, die von einem Erzähler
(Testo, Historicus), meist eine Tenorpartie, rezitativisch vorgetragen
wird; dazwischen stehen betrachtende Chöre und Arien.
Eine Abart des Oratoriums
stellt die Passion dar, die die Leidensgeschichte
Christi schildert. Der Erzähler heißt hier Evangelist, der Chor
der wütenden Volksmenge ("Kreuzige ihn!") heißt Turba.
Als frühestes Zeugnis
eines Oratoriums ist Cavalieris Rapppresentazione di anima e di corpo (Darstellung
der Seele und des Körpers), entstanden in Rom um 1600, mit Rezitativen,
Chören und Tänzen erhalten. In der Frühzeit des Oratoriums
wurden meist Stoffe aus dem Alten Testament, zuweilen auch aus dem Neuen
Testament oder aus Heiligenlegenden vertont.
Die Neapolitanische Schule
mit Alessandro Scarlatti (1660-1725) führte nach dem Opernvorbild
das Secco-Rezitativ und das Accompagnato, sowie die Da-Capo-Arie ins Oratorium
ein. Höhepunkt dieser Entwicklung sind die Oratorien von G.F.Händel
in London; Esther (1732), Messias (1742), Judas Maccabäus (1746) u.v.a.
Eine Wende bringt das Oratorium
der Klassik und des 19.Jh.s., eingeleitet von Joseph
Haydn mit seiner Schöpfung (1798) und den Jahreszeiten (1801). Die
Gesamtanlage ist dreiteilig (im Barock allgemein
zweiteilig) und behandelt die Erschaffung der Erde und Pflanzen, der Tiere
und Menschen und das Leben des ersten Paares im Paradies, das einen einzigen
Dankgesang darstellt. Haydns Schöpfung hatte einen weltweiten Erfolg.
Sie rief zahlreiche Chorgründungen hervor und begünstigte die
weitere Pflege des Oratoriums auch außerhalb der Kirche.
Im 20.Jh. gibt es keine generelle
inhaltliche oder formale Richtung des Oratoriums, aber zahlreiche interessante
Kompositionen. Le Roi David (König David) von Artur Honegger (1921),
Oediupus Rex von Igor Strawinsky (1927), Die Jakobsleiter von Arnold Schönberg
(1917-1922).
Die textliche Grundlage der
Passion ist die biblische Leidensgeschichte Christi mit ihrer dramatischen
Aktion: Erzählerpart (Evangelist), wörtliche Rede und Gegenrede
Einzelner (Soliloquenten wie Christus, Pilatus, Petrus) und Ausruf der
Menge Turbae)
Wir unterscheiden drei Erscheinungsformen:
1) Die Motettische Passion;
der gesamte Evangeliumstext wird mehrstimmig durchkomponiert, also auch
die erzählende Partie des Evangelisten.
2) Die Responsoriale Passion;
der Vorsänger wechselt mit dem Chor, wobei der Evangelist einstimmig,
die Soliloquenten 2-3stimmig und die Turbae mehrstimmig chorisch ausgeführt
werden.
3) Die Oratorische Passion.
Im Laufe des 17.Jh.s wurden in die Passionen Choräle und liederartige
Arien mit eigenem Text aufgenommen. In dieser Entwicklung entsteht die
oratorische Passion mit der Übernahme der neueren Formen aus Oper
und Oratorium:
- Secco-Rezitativ: für
den Evangelisten und die Soliloquenten, mit Continuo-Orgel und Streicherbaß;
- Accompagnato: als lyrische
Betrachtung oft zwischen Secco-Rezitativ und Arie geschoben; z.B. die Christusworte
in der Matthäuspassion von J.S.Bach;
- Da-Capo-Arie; Arioso und
Chöre mit frei hinzugedichteten Texten.
So gliedert sich Bachs Matthäuspassion
in zwei Teile mit 3 Doppelchören, 13 Chorälen, 11 Ariosi und
15 Arien, insgesamt in 78 Nummern (Nummerierung der Musikstücke wie
in Oper und Oratorium).
Moderne Passionen im 20.Jh.
verwenden alle textlichen und musikalischen Möglichkeiten der Darstellung.
Z.B. Lukaspassion von Penderecki (1964/65).
Die Messe als musikalische
Form ist eine Vertonung der lateinischen Ordinariumstexte. Die einzelnen
Sätze heißen nach dem Textanfang Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus,
Benedictus, Agnus Dei. Die Sätze der Totenmesse, des Requiem, heißen
Requiem, Dies irae, Domine Jesu, Sanctus, Benedictus, Agnus Dei, Lux aeterna.
Zu den Formen und Gattungen
des Musiktheaters zählen die Oper,
die Operette, das Singspiel und das Musical.
Die Oper
ist ein musikalisches Drama, in dem, anders als im Schauspiel mit Musikeinlagen,
die Musik am Handlungablauf und an der Schilderung von Gefühlen wesentlich
beteiligt ist. Die Verbindung der verschiedenen Künste Musik, Dichtung,
Dramatik, Malerei, Bühnenbild, Tanz, Gestik enthält viele Möglichkeiten,
aber auch Widersprüche, sodaß die Geschichte der Oper unterschiedlichste
Ausprägungen der Gattung kennt.
Die Oper entstand in der
Renaissance
am Ende des 16.Jh.s in Florenz, wo ein Humanistenkreis von Dichtern, Musikern
und Gelehrten (Florentiner Camerata) das antike Drama wiederzubeleben suchte,
in dem Gesangssolisten, Chor und Orchester beteiligt waren. So schuf man
nach dem Vorbild der Pastoraldramen des 16.Jh.s die ersten Opernlibretti
und setzte sie in Musik mit den Mitteln der Zeit:
die neue Monodie (Singstimme
mit Generalbaßbegleitung);
madrigaleske und motettische
Chöre;
Instrumentalritornelle und
-tänze.
Die ersten Opern auf Texte
von Ottavio Rinuccini sind Jacopo Peris Dafne (1597, verloren) und Euridice
(1600), sowie Giulio Caccinis Euridice (1600). Der Durchbruch zur großen
barocken Oper gelang Claudio Monteverdi mit seinem Orfeo (Mantua 1607).
Venedig ist bald das Opernzentrum
in Norditalien. 1637 wird dort das erste kommerzielle Opernhaus eröffnet.
Ende des 17.Jh.s und im 18.Jh.
übernimmt die Neapolitanische Schule mit Alessandro Scarlatti (1660-1725)
die Führung. Bedeutendster Textdichter (Librettist; vgl. Libretto
= Operntextbuch) ist Pietro Metastasio. Zentraler Operntyp wird die ernste
Opera seria mit ihrer Folge von Secco-Rezitativen für die Handlung
und großen Da-Capo-Arien zur Affektdarstellung. Als Ouverture erklingt
die Neapolitanische Opernsinfonia (Satzfolge: schnell-langsam-schnell).
In der Opera seria dominierte die Musik. Die Handlung trat zurück,
die Musikstücke wurden nummeriert (Nummernoper). Stärkste Ausprägung
fand diese Barockoper bei G.F.Händel.
Daneben entwickelte sich
in Neapel aus den Zwischenakteinlagen der Opera seria, den Intermedien,
die heitere Opera buffa mit den bürgerlichen Stoffen der Commedia
dell`arte. Z.B. La serva padrona (Die Magd als Herrin, 1732) von G.B.Pergolesi.
Die Opera buffa gibt im 18.Jh. Impulse zur Überwindung von Ensembles
und Finali.
Bewußt einfach gibt
sich das deutsche Singspiel des 18.Jh.s mit gesprochenen Dialogen und Liedern.
Z.B. W.A.Mozart, Bastien und Bastienne, Die Entführung aus dem Serail.
Die Oper der Klassik,
besonders Mozarts Buffooper, bringt dann eine Dramatisierung der alten
Nummernoper, ohne auf absolute musikalische Elemente zu verzichten.
Frankreich hatte eine eigene
Operntradition mit dem Ballet de cour (seit 1581), dem Comédie-Ballet
und der höfischen Tragédie lyrique von J.B.Lully im 17.Jh..
Diese orientierte sich am klassischen französischen Theater (Sprache,
5Akte) und hatte muikalisch freie Rezitative, liedhafte Airs, Chöre
und Tänze, sowie als Einleitung die Französische Ouverture (Satzfolge:
langsam-schnell-langsam). Im 18.Jh. entsteht die bürgerliche Opéra
comique mit gesprochenen Dialogen. Über die Revolutions- oder Schreckensoper
entwickeln sich die Große Oper - Grande Opéra des 19.Jh.s
(J.Massenet und G.Meyerbeer) und in ganz Europa die Nationaloper.
Daneben entsteht als Seitenzweig
der Oper die parodistische Operette (J.Offenbach). Ihre Blüte erlebt
die klassische Operette als sog. Goldene Operette im 19.Jh. (F.v.Suppé,
C.Zeller, K.Millöcker, J.Strauß) sowie als sog. Silberne Operette
im 20 Jh. (F.Lehar, E.Kalman, R.Stolz).
Die italienische Oper mit
ihrer hohen Gesangskultur verlor zwar gegen Ende des 18.Jh.s ihre Vorherrschaft
in Europa an die franz. Opéra comique und Grande Opéra, erhielt
aber zu Beginn des 19.Jh.s neuen Glanz durch Gioacchino Rossini. Die Musik
behält jedoch gegenüber der Dramatik ihre Eigenständigkeit.
Gegen die zunehmende Dramatisierung setzt der Lyriker Vincenzo Bellini
das Ideal einer hochstilisierten, aber ausdrucksstarken Schönheit
nach dem Vorbild Mozarts. Er erfand Melodien von ungewöhnlicher Qualität,
nur schlicht begleitet (Belcanto!). Als bedeutendster Opernkomponist in
Italien gilt Giuseppe Verdi. Seine Musik erhält ihre Beseelung vom
menschlichen Gehalt des Textes. Verdi schreibt keine Buffo-Opern sondern
große dramatische Werke. Alle psychologischen Feinheiten werden nicht
mit Hilfe eines symphonischen Orchestersatzes wie bei R.Wagner sondern
nur durch die hohe Qualität der Melodie ausgedrückt. Der in der
Literatur aufkommende Realismus und Naturalismus führten in der Musik
Italiens gegen Ende des 19.Jh.s zum sog. Verismo (von ital. vero = wahr).
Ziel ist eine realistische Darstellung der Welt ohne romantische Illusion
oder Idealisierung, mit der inzwischen dringend notwendigen Sozialkritik.
Die Handlung, oft in einfachsten Schichten spielend, zeigt sich leidenschaftlich,
kraß, zuweilen brutal mit Mord, Blut und Entsetzen, um zu erschüttern.
Z.B. Pietro Mascagni, Cavalleria rusticana; Ruggiero Leoncavallo, Der Bajazzo;
Giacomo Puccini, La Bohème).
In Deutschland zeigt die
romantische Oper (C.M.v.Weber, Freischütz, 1821) die Tendenz, das
Schema der Nummernoper in wechselvolle Szenen und Arien aufzulösen.
Das Musikdrama von Richard
Wagner ist dann konsequent durchkomponiert: Szenenfolge und Text sind Grundlage
einer fortlaufenden Musik mit "unendlicher Melodie", Sprechgesang, Leitmotivtechnik,
farbenreichem Orchester und einer expressiven,
hochromantischen Harmonik. Weiters erreicht das Wagnersche Musikdrama das
Gesamtkunstwerk durch die Vermengung der Künste.
Das Musical
ist eine in den USA entstandene Sonderform der europäischen Operette.
Sie verzichtet auf die traditionelle Operetten-Dramaturgie zugunsten revueähnlicher
szenischer Auflockerung und Betonung des Tänzerischen. Stofflich wird
häufig auf klassische Bühnenthemen zurückgegriffen (Shaw,
Shakespeare), daneben werden aber auch aktuelle Probleme abgehandelt, wie
die Frage der Psychoanalyse, das Negerproblem, die Kolonisierung, Jugendprobleme
u.a.
Volkskunst,
Künstlerische Erzeugnisse eines Volkes, die nach Entstehung und Verwendung
an bestimmte gesellschaftliche Schichten und Gruppen gebunden sind (z.B.
Bauern, Fischer, Hirten, Handwerker usw.). V. umfaßt als Sammelbegriff
Volkstanz, Volkslied, Volkserzählung sowie im engeren Sinn des Wortes
die künstlerischen Seiten der materiellen Volkskultur (Haus, Möbel,
Kleidung, Geschirr u.a.).
Volkslied,
siehe Vokalmusik
Vorhang,
Abschluß der Bühnenöffnung gegen den Zuschauerraum. Der
feuerpolizeilichen, sicherheitstechnischen Trennung dient der "eiserne
Vorhang", meist künstlerisch auf der Zuschauerseite ausgestaltet.
"Vorhang" im übertragenen Sinn bedeutet das Herausklatschen der Künstler
vor den Vorhang. Siehe Applaus.
Warenästhetik,
"Verschönerung" von Waren durch Werbung, Verpackung bzw. Design zum
Zwecke des besseren Verkaufs.
Zitat,
von lat. citare = als Gewähr aufführen, sich berufen.
1. Wörtlich genau wiedergegebene
Stelle aus einer Schrift oder Rede.
2. In wissenschaftlichen
Arbeiten wortgenaue Wiedergabe des Z.s mit Angabe über Verfasser,
Titel der Schrift, Auflage, Erscheinungsjahr, Seitenzahl usw.
3. In musikalischen Werken
das Erklingen eines aus dem ursprünglichen Zusammenhang genommenen
Motivs, Themas.